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Camera lucida (1)

lat., dt. etwa: = helle Kammer

Als Camera lucida bezeichnet man eine Zeichenkamera mit Prisma, die 1807 von William Hyde Wollaston entwickelt wurde. Bei der Camera lucida blickt man durch ein Guckloch direkt über die Kante eines Prismas, das die Umrisse des Motivs auf das Zeichenpapier wirft. Der Benutzer kann dadurch gleichzeitig die Umrisse des Motivs und das Papier sehen und das Objekt dann einfach abzeichnen. Mit der Camera lucida wird so das Anfertigen von relativ naturgetreuen Bildern vereinfacht. Die Camera lucida erfüllte einen ähnlichen Zweck wie die Camera obscura und wurde in der Gebrauchskunst zum Abzeichnen von Landschaften oder Porträts verwendet. In der biologischen Forschung wurden Camera‑lucida‑Projektionen mikroskopischer Präparate als Zeichenvorlage benutzt. Im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts entwickelte sich die Camera lucida zu einem wichtigen Hilfsmittel in der Entomologie zum genauen Zeichnen des Flügelgeäders von Insekten.

Die Physionotrace (auch: Physiognotrace) von 1786 ist ein mechanisches Hilfsmittel zur Gravur von Silhouetten, das vor allem in Paris in den Jahren bis 1830 verwendet worden ist.

Literatur: Hammond, John H. / Austin, Jill: The camera lucida in art and science. Bristol: Hilger 1987. - Fiorentini, Erna: Subjective objective. The camera lucida and protomodern observers. In: Instrumente des Sehens. Hrsg. von Horst Bredekamp und Gabriele Werner. Berlin: Akademie-Vlg. 2004, S. 58-66 (Kunsthistorisches Jahrbuch für Bildkritik. 2,2. [= Bildwelten des Wissens.]). - Fiorentini, Erna: Camera Obscura vs. Camera Lucida – distinguishing early nineteenth century modes of seeing. Berlin: Max‑Planck‑Institut für Wissenschaftsgeschichte 2006 (Preprint. 307.).