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campus revolt movie

Der Begriff campus revolt movie findet in den frühen 1970ern für eine Gruppe von Filmen Verwendung, die die Unruhen an amerikanischen Universitäten als Thema oder Setting verwendet und die eine zeitlich begrenzte Phase in der Geschichte des spätestens seit den 1950ern populären youth rebellion films zusammenfassen. Er zeichnet in der Regel die allmähliche Politisierung eines einzelnen oder einer Gruppe von Studenten nach, die sich durch die Verschärfung der gesellschaftlichen und inner-universitären Konflikte zunehmend gegen Professoren, Polizei und Staat positionieren. Kritisiert wurde das Genre insbesondere wegen seiner nach klassischen Mustern gebauten Dramaturgien und der nur randläufigen Auseinandersetzung mit den politischen Anliegen und Debatten der Studenten, die gegenüber der vordergründigen Faszination der Filme für die „Liebe in den Zeiten der Rebellion“ zum bloßen Zeitkolorit verkämen. Das Genre versuche zudem, durch die frivole Darstellung chaotischer Sit-Ins, drogenumnebelter Psychedelic-Partys und spätpubertärer Liebesabenteuer eine ,studentische‘ Atmosphäre intellektueller und sexueller Freiheit zu imaginieren und die politische Bewegung auf diese Weise zu vermarkten. Diese Kritik wird dem Genre jedoch nur teilweise gerecht, vollzieht sich mit der Zuspitzung des Konfliktes in den Filmen doch in der Regel auch eine deutliche Parteinahme gegen die institutionalisierte Gewalt von Polizei und Staat, gegen die sich die fröhliche Anarchie der Studentenschaft gerade als – freilich unscharfes – Gegenmodell gesellschaftlichen Zusammenlebens abhebt.
Als Prototypen des Genres gelten The Strawberry Statement (1970), die auf den Studentenstreik an der Columbia-Universität im Jahr 1968 anspielt, der eher parodistisch angelegte Getting Straight (1970) sowie The Revolutionary (1970), in dem die Proteste in ein fiktives, totalitäres Land verlegt werden.  Eine Variante bietet Stanley Kramers R.P.M. (1970), der die Studentenrevolte aus der Sicht eines linken Professors schildert, der erfolglos zwischen den Fronten zu vermitteln versucht. Als Sonderfall des Genres kann zudem Michelangelo Antonionis Zabriskie Point (1970) gesehen werden. Die meisten der Filme kennzeichnen sich durch einen zeittypischen Soundtrack und einen sanften Einsatz filmischer Irritationsmomente, welche auch auf ästhetischer Ebene eine neue Freiheit anzudeuten suchen. Geradezu surreale Szenen finden sich bereits in dem britischen Kultfilm If¼. (1968), der die Rebellion einiger Schüler einer autoritären britischen Privatschule thematisiert und dabei vieles vorwegnimmt, was die späteren campus revolt movies auszeichnet. Lindsay Andersons Film greift dabei unverkennbar Motive aus Jean Vigos Klassiker Zéro de conduite: Jeunes diables au collège (1933) auf, der als Vorläufer des Genres gewertet werden kann. Spätere Werke wie der populäre Dead Poets Society (1989), die ebenfalls die Revolte von Schülern gegen die rigiden Regeln ihrer Erziehungsanstalt thematisieren, setzen das Genre mit erneut verändertem Szenario und geringerem Zeitbezug fort.

Literatur: Dammann, Lars: Kino im Aufbruch. New Hollywood 1967-1976. Marburg: Schüren 2007.