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Carpenter‑Effekt

auch: ideomotorischer Effekt

Beim Sehen einer bestimmten Bewegung (sowie auch in allerdings schwächerem Maße) beim vorstellenden Denken einer solchen wird eine Tendenz zur Ausführung ebendieser Bewegung auslöst – in erheblicher „verkleinerter“ Form als Mikrokontraktionen der für die Bewegung erforderlichen Muskeln, ein Effekt, der weitestgehend nichtbewusst abläuft. Der Carpenter-Effekt gehört dem Ideorealgesetz zu, mit dem nicht nur das (ungewollte, automatische) Mitvollziehen einer Bewegung bezeichnet wird, sondern darüber hinaus auch in Verbindung steht zu selchen Prozessen wie Gefühlsansteckung, Ausdrucksübertragung und zur Induktion ideomotorischer Vorstellungen und Handlungen. In der Filmwirkungsforschung spielt der Effekt nicht nur bei der Wahrnehmung motorischer Handlungen eine gewichtige Rolle, sondern auch bei der Untersuchung rhythmischer Strukturen sowie musikalisch grundierter Handlungen, aber auch von Filmmusik in einem nichtdiegetischen Sinne (allerdings steht genau diese These zur Induktion elektromyographischer Aktivität in der Diskussion).

Der Effekt trägt seinen Namen nach dem englischen Naturwissenschaftler William Benjamin Carpenter, der ihn zum ersten Mal 1852 beschrieben hat.

Literatur: Carpenter, William Benjamin: On the influence of suggestion in modifying and directing muscular movement, independently of volition. In:  Royal Institution of Great Britain.1852. Weekly Evening Meeting, Friday, March, 12., 1852, S. 147‑153.