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C-Film

Die zunächst für die Programmierung von Kino-Double-Features eingeführten Kategorien A- und B-Film (wobei ersterer den Haupt-, zweiterer den Vor- oder Nachfilm meint) haben sich bald zu Wertzuschreibung entwickelt: Der B-Film ist billiger produziert, hat weniger oder keine Stars, oft nur eine minimal ausgearbeitete Dramaturgie, setzt dafür aber mehr als der A-Film auf Schauwerte und spektakuläre Sujets. Mit Entstehen des Trash- und Sleaze-Films in den späten 1950er- und frühen 1960er-Jahren hat sich dieses Wertverständnis ein weiteres Mal verschoben und wurde um die Kategorie des C-Films erweitert. Dieser beinhaltete vor allem Produktionen für Auto-Kinos aus den Genres Horror-, Splatter- oder (nicht-pornografischer) Sex-Film, die nunmehr vollständig auf ihre Schauwirkung reduziert waren. Bis heute sehenswerte Beispiele für diese ästhetische Strategie sind die Filme des US-amerikanischen Regisseurs Herschel Gordon Lewis.
Einen Boom hat der C-Film Mitte der 1980er mit den Direct-to-Video-Produktionen erlebt, weil in diesen Filmen nun gar nicht mehr auf die Anforderungen einer Kinoauswertung (in Hinblick auf Werbung, Jugendschutz etc.) geachtet werden musste. Der Begriff C-Film selbst hat sich weniger durchgesetzt als die differenzierteren Bezeichnungen Exploitation-, Trash-, Sleaze-, Schlock- oder Grind-House-Film (letzterer benannt nach dem US-amerikanischen Erwachsenenkino). Vor allem durch die digitale Aufbereitung der Filmgeschichte für den DVD-Markt haben sich in diesem Bereich ab Ende der 1990er spezielle Filmdistributoren (etwa das amerikanische Label „Something Weird Video“) entwickelt und größere Fankreise erschlossen, die sich in spezialisierten Internetforen austauschen und die (Wieder-)Veröffentlichung wenig bekannter Werke dieser Kategorie anregen und diskutieren.

Literatur: Landis, Bill / Clifford, Michelle: Sleazoid Express. A Mind twisting Tour through the Grindhouse Cinema of Times Square! New York: Fireside 2002. – Ross Jonathan: The Increcible Strange Film Book. An Alternative History of Cinema. Sidney: Simon & Schuster 1993. – Kessler, Christian: Das wilde Auge. Ein Streifzug durch den italienischen Horrorfilm. Meitingen: Corian 1997.