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Charakterzüge

engl.: character traits

Ein Charakter ist ein Personenkonstrukt, komponiert aus Charakterzügen, die wiederum in der Sozialpsychologie als isolierbare, relativ beständige Arten und Weisen, wie sich ein Individuum von den anderen unterscheidet, bestimmt sind, als Wesenszüge, persönliche Eigenheiten. Charaktere (oder Figuren) werden bereits in der Drehbuchentwicklung mittels einer Liste von traits entworfen, um ihnen zum einen die Einheit einer handelnden Figur zu verleihen, um andererseits die Handlungsoptionen, die ihnen qua Charakterzeichnung zukommen, abschätzen zu können. Manchmal werden Charakterzüge in Gruppen eingeteilt (wie z.B. in einer Liste bei Chatman in die Gruppen: (1) Kirche, christliche Werte: ergeben, mitleidig, geduldig; (2) Astrologie: jovial; im Engl.: saturnin [düster, von „Saturn“]; (3) in Kategorien der Galenischen Medizin: humorvoll, kaltblütig; (4) Reformation: bigott, fanatisch, selbstsicher [!], aufrichtig [=sincere]; (5) Neoklassizismus: einfältig, verblendet, kaltschnäuzig, gefühhlos, countrified (=töricht, gefühllos, bäurisch); (6) Romantizismus: depressiv, apathisch, zaghaft; (7) Psychologie und Psychoanalyse: introvertiert, neurotisch, schizoid). Die Konstruktion fiktionaler Figuren mit dem Modell der Charakterzüge unterliegt diversen Fragen nach der Einfachheit bzw. Zusammengesetztheit des Charakters, nach seiner Abhängigkeit von Vorgaben der Gattung bzw. der Genres, nach der Realistik der traits (etwa in Komödie und Farce), nach der Rolle latenter oder verdrängter Charakteristiken.

Literatur: Allport, Gordon W. / Odbert, Henry S.: Trait-Names: A Psycholexical Study. Princeton: Psychological Review Company 1936. – Chatman, Seymour: Story and Discourse: Narrative Structure in Fiction and Film. Ithaca: Cornell University Press 1978, S. 107ff. – Rapp, David N. / Gerrig, Richard J. / Prentice, Deborah A.: Readers' Trait‑Based Models of Characters in Narrative Comprehension. In: Journal of Memory and Language 44,1, 20, 2001, S. 1‑14.

Referenzen