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cineast's cineast

engl., wörtlich etwa: Cineast, der das Ansehen von Cineasten genießt; ursprünglich wohl als artist‘s artist

Die in der Kritik manchmal verwendte Rede vom cineast‘s cineast bezeichnet Regisseure, die unter den Regisseuren und Teilen der Kritik hohes Ansehen genießen, aber mit ihren Arbeiten meist keine Publikumserfolge erreichen konnten. Manchmal gar sind darunter solche Regisseure zusammengefasst, die auch bei der Fachkritik kein Ansehen genießen, allerdings von den Cineasten (dann meist als relativ geschlossenes Fan-Publikum gefasst) geschätzt werden. Manchmal werden sie im Rahmen von Autoren oder spezifischen filmhistorischen Interessen zu „Autoren“ des Films angehoben (wie z.B. der Trash-Filmer Edward L. Cahn, von Kritikern manchmal „Edward L. Can‘t“ genannt, der erst in den 1980ern gewisse subkulturelle Aufmerksamkeit gewann, oder der gleichfalls in den 1950ern tätige William Castle, der vor allem mit experimentell anmutenden Kinovorführungen bekannt wurde). Auch neuere Filmemacher wie Joe Dante (etwa mit seinem Film Piranha, 1976) haben die höchst eigenwillige Aufmerksamkeit eines spezifischen cineastischen Trash-Publikums auf sich gezogen. Die Bedingungen für die Differenz der Urteile, vor allem für die Anhebung von eher zweitklassigen Handwerkern in den Rang von „Künstlern“ sind weitestgehend unerforscht. Ob es sich um spezifische Ausformungen eines sich an Travestien, Übertreibungen, Kitsch und camp orientierten subkulturellen Urteilsstils handelt, ob es sich um eine im Grunde ironische Übertreibungsform des Personenkults im Kino handelt oder ob es sich um ein spezifisches Marktsegment handelt, in dem meist grobe Parodien von Genreformaten für ein offenbar begrenztes, aber nicht kleines Publikum angeboten werden, ist unklar. Es wurde sogar die These geäußert, dass die Anhebung von Filmemachern zu „Cineast‘s Cineasts“ auf die Marketingmechanismen der Filmgeschichtsschreibung zurückzuführen sei, also zur persönlichen Qualifizierung von Filmwissenschaftlern diene.