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Cinéma bis

auch: ciné-bis Von lat. bis (Adverb und Multiplikativzahl) über das Franz. in der Bedeutung "zweimal, auf doppelte Weise, Neben-" (z.B. bei Hausnummern: 1a); im Ital. auch soviel wie: Zugabe, Nachschlag. Der Ausdruck kam in Frankreich um 1968-70 im Zuge der ideologiekritischen Auseinandersetzungen um die Möglichkeit politisch subversiver, Hierarchien einebnender Lesarten von der Hochkultur nachgeordneten Kultur- und Unterhaltungsprodukten auf. Zunächst in den romanischen Ländern, besonders in Italien und Spanien seit den 1950er Jahren, versuchten sich Regisseure wie (z.B:) Jean Rollin, Joe D'Amato, Jesus (Jess) Franco, Lucio Fulci oder Antonio Margheriti - oft nur unter diversen Pseudonymen - an filmischen Genres wie Giallo, Peplum, Western, Action-, Spionage-, Science Fiction-, Horror- und Sexfilm. Technisch nimmt der Terminus offenbar Bezug auf die Sitte der amerikanischen "double bill"-Vorstellungen mit ihren A- und B-Filmen, die dann auch zu einem qualitativ als sekundär ausgelegten Verständnis der Gattung billig hergestellter B-Filme führte. Später wurden - zunächst eher scherzhaft gemeint - weitere Abstufungen bis hin zum katastrophal schlechten Schundfilm, dem "Z-Film", erfunden. Insofern leuchtet es ein, wenn der Ausdruck ?cinéma-bis` gelegentlich als Kofferwort aus "cinéma de B à Z" verstanden wird. Das ?cinéma-bis` darf heutzutage im allgemeinen nicht mit den kompromisslosen Kunst- und Autorenfilmen des sogenannten "Zweiten Kinos" (in Deutschland z.B. R.W. Fassbinder) gleichgesetzt werden, obgleich beide historisch gemeinsame Wurzeln haben.

Literatur: Aknin, Laurent: Le cinéma-bis italien (1957-1987). Diss. Univ. Paris III 1990, 2 Bde. [Bd. 2: Filmographie nach Jahrgängen]; Mikrofiche-Ausg., Lille: A.N.R.T, Univ. Lille III 1990. - Putters, Jean-Pierre: Ze craignos monsters. Champigny-sur-Marne: "Mad movies" / Issy-les-Moulineaux: Ed. Vents d'Ouest 1991-1999, 3 Bde.: 1. Le cinéma-bis, du nanar au chef-d'oeuvre; 2. Le retour; 3. Le re-retour. - Materialien: [Politique du bis].

Referenzen