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cinéma moudjahid

von arabisch mudscha hid (muğâ/mujâ hid) = jemand, der kämpft; Kombattant; von arab. dschihad [jihâd] = Kampf; algerisch-französisch soviel wie: „Freiheitskämpfer-Kino“

Nach dem Sieg über die Franzosen im Algerienkrieg (1954-1962) und mit Gewinn der Unabhängigkeit des Landes verstanden es die Propagandisten des herrschenden Front de Libération Nationale (FNL) frühzeitig, ganz im Sinne der Verbindung von postkolonialer Theorie (Frantz Fanon) und sowjetisch geprägter sozialistischer Ideologie eine umfangreiche staatliche Filmwirtschaft aufzubauen, die der Bevölkerung für unverzichtbar gehaltene patriotische Mythen über ihre heroische Befreiung vom kolonialen Joch liefern sollte. Einer der einflussreichsten Regisseure dieser gesteuerten Verehrung des heldischen Kollektivs und der Geschichtsbildlenkung war der in der Tschechoslowakei ausgebildete Mohamed Lakhdar-Hamina, dessen bekanntestes Werk Le Vent des Aurès (Wind kommt von Aurès, 1966) allerdings nicht völlig einer kritiklosen Kriegsexploitation im Sinne des bald so genannten cinéma moudjahid zugeordnet werden kann. Schon Anfang der 1970er Jahre regte sich Unmut über die einseitige Thematik, die die drängenden Fragen nach der Lage der Nation hinsichtlich Korruption, Landreform, Stellung der Frau in Stadt und Land und immer größer werdender Arbeitslosigkeit nicht aufnahm. Das billig produzierte cinéma djidid, der Junge Film, entstand und blühte für ein halbes Jahrzehnt. Das algerische Kino, und mit ihm Hamina, kehrte zu historisierenden Staatsthemen im bewährten Filmstil zurück wie in Chronique des Années de Braise (Chronik der Jahre der Glut, 1975).

Literatur: Austin, Guy: Representing the Algerian War in Algerian Cinema: Le Vent des Aurès. In: French Studies 61,2, 2007, S. 182-195. – Salmane, Hala / Hartog, Simon / Wilson, David (eds.): Algerian Cinema. London: British Film Institute 1976.

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