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cinematherapy

auch: cinema therapy; movie therapy; reel therapy: deutsch auch: Cinetherapie; Filmtherapie

Eine an die antike Nutzung der kathartischen, d.h. reinigenden Funktion des Dramas anschließende Verwendung von Spielfilmen bzw. Filmszenen in therapeutischer Absicht. Zu trennen ist eine klinisch-therapeutische, von Psychotherapeuten, Psychiatern oder Medizinern geleitete nicht-medikamentöse Therapieform zur Behandlung von Affektphobien, darauf beruhenden Verhaltensstörungen und leichteren Depressionsformen von einer metaphorisierenden Populärpsychologie, die unpassende individuelle Stimmungen (moods) beeinflussen will und letztlich der Anpassung persönlicher negativer Befindlichkeiten an einen als akzeptabel propagierten, Inspiration, Glück und/oder wahre Liebe verheißenden Lifestyle dienen soll.
Während in der medizinischen Variante geschultes Personal das problematische Verhalten von Patienten in Einzel- oder Gruppensitzungen anhand ausgewählter Beispielszenen aus populären Spielfilmen bespricht und dabei, etwa mittels Übernahme von Rollenmodellen, zur Überwindung von Fehlhaltungen anleitet, dient die Lifestyle-Variante, insbesondere in der Form von zahlreichen, typisch amerikanischen, rezeptbuchartigen Ratgebern (wie z.B. die Titelreihe von West, Peske und Berglund [1999-2005]: Cinematherapy for lovers – C. for the soul – Advanced c. – C. goes to the Oscars) einer „nützlichen und kostengünstigen“ suggestiven Selbststimulierung bei Stimmungsschwankungen.
Die im Deutschen anzutreffenden Benennungen „Filmtherapie“ bzw. „Cinetherapie“ stehen ebenfalls für einen psychotherapeutischen Ansatz und werden wie ihre amerikanischen Therapie-Verwandten häufig in den Bereich emotionaler Wellness-Psychologie heruntertransformiert, jedoch beanspruchen sie historisch ihre eigene Herleitungsgeschichte. Wie bei erfolgreichen populärmedizinischen Produkten zu erwarten wurde das Konzept inzwischen auf die speziellen Bedürfnisse von Minderheiten (z.B. Schwule und Lesben) hin verfeinert und auch auf die Möglichkeiten des Fernsehens (TV therapy) hin erweitert.
Filmisch mit den ähnlichen Intentionen einer „Bibliotherapy“ verknüpft, die ihrerseits das Vorlesen von Texten zu therapeutischen Zwecken nutzt, erscheint mit erotischer Unterfütterung Cinematherapy (avant la lettre) in Michel Devilles La Léctrice (Frankreich 1988).

Literatur: Berg-Cross, Linda / Jennings, Pamela / Baruch, Rhoda: Cinematherapy: theory and application. In: Psychotherapy in Private Practice 8, 1990, S. 135-156. – Fischoff, Stuart: Cinematherapy bibliography. In: The Amplifier (APA Division 46, Media Psychology), Summer 2004, URL: http://www.apa.org/divisions/div46/biblio.htm. – [Wolz, Birgit:] A bibliography of cinema therapy & related applications; URL: http://www.cinematherapy.com/bibliography.html [bis 2005, wird gepflegt].