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Cinéphonie

Kompositum aus frz. cinéma und griech. phonos (Stimme, Ton); seit 1935 nachweisbar; auch als Firmenname verwendet

1935 gründete der französische Filmproduzent Raymond Broderie (1897-1962) die Compagnie des Grands Artistes Internationaux CGAI (Archives de l’état de Paris Nr. 15e/728/1897). Broderies erster abendfüllender Film war 1934 Les Misérables (Raymond Bernard). Zusammen mit einem der führenden französischen Violonisten, Jacques Thibaud (1880-1953), und dem Musik- wie Filmkritiker Émile Vuillermoz (1878-1960)  produzierte die CGAI C.s, 1935 als erste Cinéphonie Valse brillante de Chopin und Ave Maria mit dem Regisseur Max Ophüls (eig. Max Oppenheimer, 1902-1957). Fünf weitere Cinéphonies sind überliefert (darunter drei unter der Regie von Dmitrij Kirsanov mit Boris Kaufman, dem Bruder von Dziga Vertov, an der Kamera), eine weitere nachweisbar. Ziel von Thibaud und Vuillermoz war es, in Form von Kurzfilmen (mit Dauern zwischen 5-10min) vollständige Werke der „klassischen“ Musik in Interpretationen von hervorragenden internationalen Musikern durch führende Filmregisseure „filmisch“ und für ein breites Publikum nachvollziehbar darzustellen zu lassen. Durch den sowohl filmischen wie musikalischen Anspruch und die sowohl ästhetische wie auch didaktische Intention sollten sich diese kurzen Tonfilme grundsätzlich von den sehr zahlreichen vergleichbaren Filmen der Stummfilmzeit, hier vor allem die Hunderte von photo scènes der Firma Gaumont mit bekannten Sängern und Tänzerinnen, die mit einzelnen Opernarien oder ihren berühmtesten Solo-Tanznummern gefilmt worden waren, unterscheiden. Zudem ermöglichte der Tonfilm eine genaue Koordination von Bild und Ton; die älteren Stummfilme, die alle im Nadeltonverfahren konzipiertwaren, konnten eine solche Koordination (durch zum Film synchrone Verwendung von Schallplatten) so wenig erreichen wie eine als ausreichend erachtete Tonqualität.

Literatur: Stenzl, Jürg: Dmitrij Kirsanov. Ein verschollener Filmregisseur. München: Ed. text + kritik 2013, bes. S. 96-114. – Ders.: Die Cinéphonies von Émile Vuillermoz und Jacques Thibaud. Claude Debussys Children’s Corner von Marcel L’Herbier (1936). In: Kieler Beiträge zur Filmwissenschaft 11, 2014, S. 205-221, URL: http://www.filmmusik.uni-kiel.de/KB11/KB11-stenzl.pdf. – Trebuil, Christoph: L’oeuvre singulière de Dimitri Kirsanoff. Paris: L’Harmattan 2003, bes. S. 61-69, 145-148. 

Referenzen