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Closed Circuit-Verfahren

auch: Rückkopplung, Feedback; engl.: geschlossene Signalübertragung

Closed Circuit
bezeichnet technisch gesehen die unmittelbare auditive oder visuelle Rückkopplung zwischen In- und Output eines Aufnahme- und Wiedergabesystems. Diese Rückkopplung führt zu einer Signalverstärkung und generiert ein geschlossenes Feedbacksystem. Aufgrund der gleichzeitigen aber ortsunspezifischen Aufnahme- und Wiedergabemöglichkeit elektronischer und mittlerweile digitaler Bewegtbilder kann Video als paradigmatisches Medium des Closed Circuit-Verfahrens gelten. Durch apparative Zwischenschaltungen wie Zeitverzögerung sowie Bild- und Tonbearbeitung kann die Rückkopplung zwischen In- und Output zudem live modifiziert bzw. manipuliert werden. Insbesondere in den 1970er Jahren haben Künstlerinnen und Künstler in Closed Circuit-Installationen (Time Delay Room 1, 1974, Dan Graham) und Videoskulpturen (TV Buddha, 1974, Nam June Paik) dieses Feedbackverfahren angewendet, um auf mediale und physisch-psychische Wahrnehmungsparadigmen hinzuweisen. Im Unterschied zu Videoskulpturen ist für Closed Circuit-Installationen die Anwesenheit der Besucher  notwendiges Kriterium, damit das Feedback, z.B. als zeitverzögerte Live-Übertragung des eigenen Abbilds, wahrnehmbar wird.
Vom Closed Circuit-Verfahren zu unterscheiden ist die Live-Situation im Fernsehen, deren Signalübertragung ohne Feedback operiert und sich aufgrund ihrer einseitig gerichteten Kommunikation technisch betrachtet als Open Circuit, als Signalübertragung im klassischen Sinne, bezeichnen lässt.

Literatur: Kacunko, Slavko: Closed Circuit Videoinstallationen. Ein Leitfaden zur Geschichte und Theorie der Medienkunst mit Bausteinen eines Künstlerlexikons. Berlin: Logos 2004. – Lehmann, Annette Jael: Kunst und Neue Medien. Ästhetische Paradigmen seit den sechziger Jahren. Tübingen, Basel: Francke 2008.