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couch potato

häufig (orthographisch fälschlich): couch potatoe; auch: Couchpotato, Couchkartoffel

Seit den 1980er Jahren zunächst umgangssprachlich verwendete scherzhafte, häufig auch verächtliche Bezeichnung für i.d.R. jugendliche Personen, die ihren Fernsehkonsum nur höchst ungern unterbrechen, Haus und Zimmer selten verlassen und deshalb als unkommunikativ, passiv-bequem bis faul, langweilig und gar als geistig unbeweglich gelten. Ob sie tatsächlich auf Couch oder Sofa liegen oder sitzen, ist dabei recht unerheblich. Inzwischen findet sich der Ausdruck auch in wissenschaftlicher Terminologie. Medizinisch wird zum einen ein möglicher Suchtaspekt diskutiert, wie er sich bei übermäßig vor dem TV-Gerät verbrachter Zeit ergeben könnte, zum anderen befürchtet man eine – durch Bewegungsmangel und Schlafdefizite bedingte – Neigung zu Übergewicht und Fettsucht insbesondere bei jugendlichen Fernsehkonsumenten, die sich durch dauernde Fehlernährung (Kartoffelchips, Pizza, industrielle Fertiggerichte und Süßgetränke) zu verstärken droht. Relevante Studien wie die von Van den Bulck (2000) mit 1.035 Probanden konnten derartige Befürchtungen allerdings nicht bestätigen.
Als gruppeninterne Eigenbezeichnung wird couch potato heute als durchaus ironische Selbsteinschätzung medialer Kennerschaft verwendet, darin dem nerd genannten deppenhaft-ungeschickten Langweiler verwandt, der als computer nerd ex contrario die Attribute des kenntnisreichen und ausgefuchsten computer freaks zugeschrieben erhält. Auf Kinobesuch läßt sich der Ausdruck wenn überhaupt allenfalls sehr metaphorisch übertragen; dagegen ist die Bezeichnung – im Zuge der allgemeinen Zugänglichkeit des Internets durchaus passend – in der Analyse des Uses-and-Gratifications-Ansatzes auf Kreise jugendlicher Computernutzer (web potato) erweitert worden. 

Literatur: Kaye, Barbara K.: Uses and gratifications of the World Wide Web: from couch potato to web potato. In: William Paterson College of New Jersey School of the Arts and Communication 6,1, 1998, S. 21-40. – Helmers, Sabine: Per Mausklick zur Couch Potato. Über die Welt des Internet, gewachsene kulturelle Ordnungen und gegenwärtige Turbulenzen. In: Jugend auf der Datenautobahn. Hrsg. v. Fred Schell [u.a.]. München: KoPäd Verlag 1995, S. 38-46 (Reihe Medienpädagogik. 8.). – Van den Bulck, Jan: Is television bad for your health? Behavior and body image of the adolescent „couch potato“. In: Journal of Youth & Adolescence 29,3, 2000, S. 273-288.