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Crown Film Unit

Nachdem Alberto Cavalcanti sein Amt als Leiter des GPO Film Unit niedergelegt hatte, wurde Ian Dalrymple zum Produktionschef ernannt. Nur kurze Zeit später wurde die GPO im August 1940 in Crown Film Unit umbenannt und neu organisiert. Da England sich im Kriegszustand befand, war es Aufgabe des CFU, die Kriegsziele der Nation propagandistisch mit den Mitteln des Dokumentarfilms zu unterstützen. Es galt, den Krieg als „People’s War“ gegen den Faschismus darzustellen. Die CFU hatte darum während der Kriegszeit die Aufgabe, das ungeheuerliche Geschehen der deutschen Luftangriffe auf London und seine Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung ebenso zu dokumentieren wie mit ihrem dramaturgisch bearbeiteten Material Durchhaltesignale an die Landsleute zu senden. Gegenschläge der britischen Truppen wurden ebenfalls propagandistisch aufbereitet.
Es wurden Langfilme produziert, wie Target for Tonight (1941) von Harry Watt und Western Approaches (1944) von Pat Jackson, die in den kommerziellen Kinos erfolgreich liefen, ebenso wie Kurz- und Lehrfilme wie The New Lot (1943), die als 16mm-Kopien Soldaten, Schulkindern und anderen Gruppen gezeigt wurden. Ästhetisch versuchte man in diesen Werken, den Realismus des Dokumentarfilms mit der narrativen Spannung des kommerziellen Spielfilms zu vereinen. Unter den wichtigsten jungen Filmemachern der Crown Film Unit war Humphrey Jennings, der mit London Can Take It (1940), Listen to Britain (1942, ein experimentaler Dokumentarfilm über das Leben der Briten während des Kriegs, der auf Kommentar und Musikuntermalung verzichtet und nur mit natürlichen Geräuschen arbeitete) und Fires Were Started (1943, ein Dokumentar-Drama während der Angriffe auf London mit Feuerwehrleuten als Amateurschauspielern und improvisiertem Dialog) die Geschichte des Dokumentarfilms nachhaltig beeinflusste. Kurz nach dem Krieg wurde die Arbeit der Crown Film Unit aus haushaltstechnischen Gründen eingestellt (1952).

Literatur: Chapman, James: The British at war: cinema, state, and propaganda, 1939-1945. London/New York: I.B. Tauris 1998, S. 114-137. – Harding, Alan J.: The closure of the Crown Film Unit in 1952: artistic decline or political machinations? In: Contemporary British History 18,4, 2004, S. 22-51. – Jackson, Kevin (ed.): The Humphrey Jennings film reader. Manchester: Carcanet 1993. – Ders.: Humphrey Jennings. London: Picador 2004. – Jackson, Pat: A retake please! Night Mail to Western Approaches. Liverpool: Royal Naval Museum Publications and Liverpool University Press 1999, S. 66-76. – Smith, Adrian: Humphrey Jennings' Heart of Britain (1941): a reassessment. In: Historical Journal of Film, Radio and Television 23, 2003, S. 133-151.

Referenzen