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Darsteller II

Im Spielfilm ist der Darsteller zwar von zentraler Bedeutung, aber zwischen seiner Spielweise und der Erzählweise ergibt sich ein Zusammenhang, der ihn zu einer montierten Bild-Ton-Gestalt werden lässt. Daraus sind verschiedenste Regiekonzepte und -methoden abgeleitet worden. Dem vorrangigen Unterwerfen des Darstellers unter die Montage (und neuerdings auch unter die Computeranimation) stehen Regiekonzepte des Schauspielerfilms gegenüber, die die hohe Kunst der Menschendarstellung durch den spezialisierten Schauspieler (oftmals ein disponibler Theaterschauspieler) im Arrangement der Szenen gegenüber der nur begleitenden Kamera betonen. Durchgeprobten Arrangements und festgelegten Kameraeinstellungen stehen andererseits Regiekonzepte der Improvisation am Drehort gegenüber. Hinzu kommt, dass die Großaufnahme im Vergleich zum Theater veränderte Bedingungen für den Ausdruck schafft. Die Vielfalt der Genres hat die Differenzierung der Darsteller und damit die Unterschiede zur Darstellungskunst des Theaters vertieft. Ein Sonderfall ist der Stuntman, der eingesetzt wird, um gefährliche Situationen zu doubeln. Ebenfalls ein Sonderfall ist die Verkörperung von Figuren durch Tiere (z.B. Au Hasard Balthasar, 1966, Robert Bresson).
Ein Grenzfall der Darstellungskunst ergibt sich im Animationsfilm, da die durch verschiedenste Materialien verkörperten Figuren (vom Zeichen- über den Puppentrick bis zur Sandanimation) des Menschen als Darsteller einerseits körperlich-mimisch entbehren, aber andererseits im Umgang mit Ausdrucksgesten auf menschliches Ausdrucksverhalten gestützt sind, dieses überspitzen und radikalisieren, und zudem auf die stimmliche Unterstützung von Schauspielern angewiesen sind. Ein weiteres Beispiel für eine nur stimmliche Verkörperung von Figuren ist der Synchrondarsteller

Literatur: Haucke, Lutz: Film-Künste-TV-Shows. Film- und fernsehwissenschaftliche Studien. Auswahl 1978-2004. Berlin: Rhombos 2005, S. 369-384.