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DEFA III: Entwicklung nach 1965

Von Beginn an waren die staatliche Zentralisierung und die Kontrolle durch die Abteilung Kultur des ZK der SED die Ursache für eine strenge Zensur in allen Studios. Das Trickfilmstudio wurde von der Formalismus-Debatte schon 1951 getroffen. Krass waren die Folgen des 11. Plenums des ZK der SED im Dezember 1965, die zum Verbot fast einer Jahresproduktion (12 Spielfilme) führte und die die in den frühen 1960er Jahren sich formierende neue Regiegeneration der DEFA auf Jahre lähmte.
Mit der Orientierung auf die DEFA-Alltagsgeschichte in den 1960 und 1970er Jahren wurde das im DEFA-Spielfilmschaffen ausgeprägte dramaturgische Modell der charakteristischen Biografie weiter entwickelt (Der Dritte, Egon Günther,1972). Der DEFA-Gegenwartsfilm schuf eine durchgängige Linie einprägsamer Frauengestalten (Frauenschicksale, Slatan Dudow, 1952, Lots Weib, Egon Günther, 1965, Paul und Paula, Heiner Carow, 1972, Die Schlüssel, Egon Günther, 1973, Solo Sunny, Konrad Wolf, 1980). Nach 1976/77 kam es zu einer sich verschärfenden Zensur (5.1.1976: Maßnahmeplan zur Veränderung der Situation im Spielfilmstudio; 20.9.1982: Ordnung für die Erteilung staatlicher Aufträge zur Entwicklung von Filmstoffen und zur Förderung ausgewählter Filmvorhaben; 5.3.1985: Aktion „Säuberung der Leinwand“, d.h. reglementierte Zulassung von DEFA-Filmen, in denen Künstler mitwirkten, die die DDR verlassen hatten).
In den 1980er Jahren wurden jährlich ca. 15 Spielfilme (Kino) produziert. Das Dokumentarfilmstudio produzierte für Kino und TV ca. 100 Kurzfilme jährlich, das Trickfilmstudio ca. 25 bis 60 Animationsfilme (für Kinder- und sogenannte Beiprogramme). Die Zuschauerzahlen bei DEFA-Filmen lagen in den 1980er Jahren in der DDR jährlich zwischen 76 und 79 Millionen Zuschauern.
Die Zerschlagung der DEFA durch die Treuhandanstalt der BRD erfolgte im Prozess der Wiedervereinigung 1992 (Vertrag vom 21.8.1992 über den Verkauf der DEFA Studio Babelsberg GmbH; Juni 1992: Beginn der Privatisierung des Dokumentarfilmstudios; 30.6.1992: Ende des DEFA-Trickfilmstudios). 

Literatur: Blunk, Harry / Jungnickel, Dirk (Hrsg.): Filmland DDR. Ein Reader zu Geschichte, Funktion und Wirkung der DEFA. Beitr. v. Harry Blunk [u.a.]. Köln: Vlg. Wissenschaft und Politik 1990. – Glaß, Peter: Kino ist mehr als Film. Die Jahre 1976-1990. Berlin: AG Verlag 1999. – Schenk, Ralf (Red.): Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. DEFA-Spielfilme 1946-1992. Berlin: Henschel 1994.