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Desmet-Methode

Noël Desmet war über Jahrzehnte Laborleiter der Cinémathèque Royale de Belgique in Brüssel; er benutzte das Farben-Simulationsverfahren für Stummfilme, die viragiert und/oder getönt sind, seit den 1990ern; er führte hierzu zahlreiche Untersuchungen und Versuche durch, verbesserte die Methode seiner Vorgänger und machte sie zu einem verlässlichen Werkzeug in der analogen Filmrestaurierung

Desmets Verfahren will originale (Nitrat-/Di-Acetat-)Kopien, welche einst in Bädern ihre Einfärbung erhielten, auf neuem Filmmaterial (Tri-Azetat-/Polyester-Positivfilm) reproduzieren. Dazu benutzt das Kopierwerk eine Kopiermaschine ( printer ), die jeweils mit drei Lichtquellen ausgestattet ist, mit Filtern in einer der drei Primärfarben Rot, Grün und Blau versehen sind. Von der Kopie wird erst ein schwarzweißes Dupnegativ gezogen. Dieses Zwischenmaterial wird sodann mit einem unbelichteten Farb-Positivfilm zusammen durch den Printer geführt, so dass die Bilder und die Farben eines Farbverfahren ( toning ) auf die künftige Kopie übertragen werden. Danach wird das belichtete Filmband zum Anfang zurück gedreht, nochmals durch den Printer geführt und dabei geflasht , d.h. mit farbigem Licht bestrahlt, diesmal zur Reproduktion des anderen Verfahren ( tinting ). Danach folgt die Entwicklung. Das Resultat ist eine Imitation der originalen Farben, welche nicht mehr mit Bädern erzeugt werden, sondern durch Bestrahlung mit farbigem Licht.

Bei der Methode ist die Reihenfolge bedeutend: Im Duplikat-Negativ sind die hellen Stellen des originalen Phasenbildes (in der Kopie meist eingefärbt durch Tinting) dunkel und die dunklen (oft mit Toning bunt gemacht) hell. Wird also der unbelichtete Positivfilm ein erstes Mal belichtet, werden die in der Ausgangskopie dunklen bis schwarzen Stellen auf dem Negativ belichtet, schließlich sind sie in ihr Gegenteil verkehrt und das Licht kann durchfallen. Beim zweiten Durchgang, dem Flashen mit farbigem Licht, erhalten die bisher nur wenig oder gar ganz unbelichtet geblieben Flächen ihre Einfärbung. Auf der neuen Sicherheitskopie sind die Effekte von Tinting, Toning und ihrer Mischung dank des Desmet-Systems zu sehen; allerdings lassen sich nicht alle Farben aus der Stummfilmzeit adäquat reproduzieren, da der Farbraum von modernem Farbmaterial nicht unbedingt mit den gebräuchlichen der 1910er und 1920er übereinstimmt. Die Vorteile der Desmet-Methode: Das schwarzweiße Zwischennegativ hält sich bei guter Konservierung länger als Farbmaterial. Und ausgeblichene Farben lassen sich wieder in voller Schönheit herstellen, durch die von Noël Desmet erstellen tinting-and-toning-charts (Vorbildfarben). Sie basieren auf Recherche in Originalquellen – so u.a. die Fachbücher für Kopierwerke von Pathé Frères, Agfa oder Kodak – und zeigen, wie die die Farben auf den Nitrofilmen vor ihrer Zersetzung aussahen.

Literatur: Desmet, Noël: Restauration des films teintes et vires. Dattiloscritto Distribuito dalla Cinematheque Royale di Brussels. Bruxelles: Cinémathèque Royale o.J. – Desmet, Noël / Read, Paul: The Desmetcolor Method for Restoring Tinted and Toned Films. In: Luciano Berriatúa [...]: Tutti i colori del mondo. Il colore nei mass media tra 1900 e 1930. Reggio Emilia: Edizioni Diabasis 2000, S. 147-150. – Suchmaschine von https://zauberklang.ch/filmcolors/filter/.