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Didaktik und Film

Nach der Jahrhundertwende regte der Film vor allem bewahrpädagogische Bemühungen an (in Deutschland in der Kinoreformbewegung) – im Bestreben, besonders die Jugend vor „Schund“ im Film zu bewahren. Schon in den 1920er Jahren entdeckte man jedoch die Möglichkeiten, Filme zur Unterstützung des Unterrichts zu nutzen, und es entstand die Gattung spezieller Unterrichts- bzw. Schulfilme mit einer eigenen institutionellen Verankerung von Produktion und Vertrieb. Häufig kam dem Film dabei eine anderen Unterrichtsmedien (wie Schulwandbild, Tafel etc.) vergleichbare Funktion der Visualisierung zu, ohne dass seine eigene Gattungsspezifik als Thema zum Tragen gekommen wäre.
Erst in der BRD der 1980er Jahre begann man, medienpädagogische Konzepte in die Lehrerausbildung aufzunehmen. Seit den 1990er Jahren sind in den einzelnen Fachdidaktiken, allen voran in der Germanistik und den modernen Fremdsprachen Filme unter den allgemeinen Gesichtspunkten der Motivik und den speziellen der Filmgrammatik und Wirkung untersucht und unterrichtlich aufbereitet worden. Produktionsorientierte Unterrichtsverfahren zielen außerdem auf die Erstellung eigener Filme im Schulunterricht ab (u.a. in Literaturkursen und an Projekttagen). 2003 hat in Deutschland eine Expertenrunde dafür plädiert, den Film als Kunstform noch stärker in der Schule zu verankern. Der filmkundliche Unterricht wird heute oft von didaktischem Material begleitet und findet in Kooperation mit Kinos (SchulKinoWochen) statt.
Im Lauf seiner Geschichte ist das Medium Film des Öfteren zum Lehrmeister der Nationen geworden, indem es z.B. nationale Botschaften bzw. Propaganda transportierte und so den Prozess der nationalen Identitätsbildung unterstützte, politische Prozesse darstellte oder soziale Modelle des Zusammenlebens propagierte. Die Kritik an derartig ideologischer Ausrichtung von Filmen wurde seit den 1950ern als Teil einer demokratischen und auf Mündigkeit ausgerichteten Filmbildung (oder neuerdings: Medienkompetenz) ernst genommen. Heute tritt die Auseinandersetzung mit Modellen der Wirklichkeitsbeschreibung, der Annäherung dokumentarischer an fiktionale Sendeformate u.ä. dazu. Zukünftig wird sich die Didaktik der unter den Bedingungen des Internets geänderten Filmkultur der „Generation Cyperspace“ und der damit einhergehenden Aneignungsformen des Films stellen müssen. 

Online-Medienpädagogik unter den URLs: http://www.mediaculture-online.de/; http://www.lwl.org/LWL/Kultur/film_und_schule/; http://www.vierundzwanzig.de/24_filmschule; http://www.geschichte-projekte-hannover.de/filmundgeschichte/.

Literatur: Holighaus, Alfred (Hrsg.): Der Filmkanon. 35 Filme, die Sie kennen müssen. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2005. - Hildebrand, Jens: Film. Ratgeber für Lehrer. 2. aktual. Aufl. Köln: Aulis 2006. Zuerst 2001. – Kesper, Matthis (Hrsg.):. Fächer der schulischen Filmbildung. Deutsch, Englisch, Geschichte u.a. Mit zahlreichen Vorschlägen für einen handlungs‑ und produktionsorientierten Unterricht. München: kopaed 2010. – Wieber, Anja: Drehbuch Antike: „Kinema“, die 10. Muse. Gemeinsamkeiten zwischen antiker Literatur und Film. In: Der Altsprachliche Unterricht, 6,  2007, S. 4-15. – Wurster, Maren: Schule im Kino. Tipps, Methoden und Informationen zur Filmbildung ; Praxisleitfaden für Lehrkräfte. 5. Aufl. Potsdam: Vision Kino 2012.
 

Referenzen