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Direktadressierung: Hollywood

Der Blick in die Kamera, die direkte Ansprache des Publikums ist in etlichen Formen und Genres des Kinos ein gebräuchliches Stilmittel: im frühen Kino, im Dokumentarfilm, im pornografischen Film, im europäischen Kunstfilm sowie im indischen Film. Im klassischen Hollywood-Kino jedoch und im davon beeinflussten kommerziellen Film außerhalb Hollywoods gilt der Blick in die Kamera als Regelverstoß, der die realistische Illusion stört. Der Blick in die Kamera schafft wie das Voice-Over eine Erzählperspektive, wird aber viel seltener verwendet, da er den Handlungsablauf unterbricht. Der Gebrauch des Stilmittels ist im klassischen Hollywood-Kino auf zwei Genres beschränkt: das Musical und die Komödie. Im Musical wird der Blick in die Kamera zumeist, wenn auch nicht ausschließlich, in Song-and-Dance-Nummern eingesetzt. In der Komödie wird aus der Verletzung der Regel Komik gewonnen. Von Groucho Marx über Woody Allen bis zu Mike Myers haben Komiker immer wieder mit dem Überraschungselement dieses Stilmittels gespielt. Heute ist der Blick in die Kamera vor allem durch Fernsehserien wie Sex and the City oder Malcolm in the Middle weit verbreitet. Innerhalb des kommerziellen westlichen Films bleibt der Blick in die Kamera nach dem Ende des Musicals der Komödie vorbehalten.