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Diskurs

Der theoretische Begriff Diskurs und die Diskursanalyse als Methode haben in den letzten Jahrzehnten in den sozial- und geisteswissenschaftlichen Disziplinen - und in der Medienwissenschaft im Allgemeinen und der Filmwissenschaft im Besonderen – erheblich an Relevanz gewonnen. Vor allem wird in der Cultural-Studies-Medien-/Filmforschung primär mit diskurstheoretischen Überlegungen und diskursanalytischen Verfahren gearbeitet (von Autoren wie John Fiske). Theoriegeschichtlich wurde der Diskursbegriff vor allem durch die Werke Michel Foucaults geprägt. Von einem einheitlichen Begriffsverständnis kann jedoch keine Rede sein. Diskurse „lassen sich als mehr oder weniger erfolgreiche Versuche verstehen, Bedeutungszuschreibungen und Sinn-Ordnungen zumindest auf Zeit zu stabilisieren und dadurch eine kollektiv verbindliche Wissensordnung in einem sozialen Ensemble zu institutionalisieren. Diskurstheorien bzw. Diskursanalysen sind wiederum wissenschaftliche Unternehmungen zur Untersuchung der damit angesprochenen Prozesse“ (Keller). Diskursanalyse ist in einem eher kognitiv-empirischen Sinne die Untersuchung von Weltwissen und seiner Interaktion mit medialen Produkten und sozialen Praktiken. Diskursivität ist entsprechend eine Eigenschaft von Texten, die sie an die symbolischen Wissenshorizonte der Kultur und deren konsensuelle Grundlagen und konventionellen Bedeutungen zurückbindet.
Diskursanalyse ist - in dem Sinne, in dem Foucault das Konzept eingeführt hat – die Untersuchung von Institutionalisierungsprozessen, die einen Fluchtpunkt gesellschaftlicher Auseinandersetzung bilden. Gerade weil der Akzent der Untersuchung diskursiver Strukturen auf die kommunikative Verfasstheit der gesellschaftlichen Verhandlung von „Sinn“ gerichtet ist, ist Diskursivität nicht allein als nur kognitives Fundament des Handelns und Verstehens bestimmbar, sondern an soziale Realität und an die Realität des Handelns gebunden, gleich in einem mehrfachen Sinne: (1) Zum einen sind alle Institutionalisierungen der Kommunikation und deren Rückbindung an die Sphäre politischer, ökonomischer und sozialer Macht für die Diskursanalyse bedeutsam, weil Diskurse sich nicht allein wildwüchsig verändern, sondern in einem Feld gesellschaftlicher Interessen stehen. (2) Zum zweiten sind Diskurse eng mit der Praxis sozialen Handelns verbunden, bilden deren Sinn- und Legitimierungs-Voraussetzung. Wiederum sind die Institutionalisierungen von besonderem Interesse, weil sie die Geltung und die Realität des Diskursiven par excellence unter Beweis stellen.

Literatur: Fiske, John: Media Matters. Race and Gender in U.S. Politics. Minneapolis/London: University of Minnesota Press 1996. – Keller, Reiner: Diskursforschung. Eine Einführung für SozialwissenschafterInnen [!]. Opladen: Westdeutscher Vlg. 2004. – Wetherell, Margaret / Taylor, Stephanie / Yates, Simeon J. (eds.): Discourse theory and practice. A reader. London [...]: Sage 2005. – Winter, Rainer: Cultural Studies als kritische Medienanalyse. Vom „encoding-decoding-Modell“ zur Diskursanalyse. In: Kultur - Medien - Macht. Cultural Studies und Medienanalyse. Hrsg. v. Andreas Hepp u. Rainer Winter. Opladen: Westdeutscher Vlg. 1997, S. 47-63.