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Dominante

Kunstwerke werden von den Formalisten nicht als geschlossene Einheiten (‚Werke‘ im herkömmlichen Sinne), sondern unter dem Aspekt dynamischer Relationen ihrer Elemente betrachtet. Die Dominante ist „die Leitkomponente eines Werks, die alle anderen Komponenten steuert, beeinflusst, transformiert“ (Jakobson). Noch im neoformalistischen Ansatz ist die Dominante das wesentliche formale Prinzip, das ein Werk oder eine Gruppe von Werken und Verfahren zu einem Ganzen ordnet. Mit dem Konzept der Dominante lässt sich so nicht nur ein werksbezogenes analytisches Konzept begründen, sondern auch die Evolution einer Kunstform beschreiben sowie das Verhältnis der Kunstformen und Gattungen untereinander als historisch spezifische Konstellation bestimmen.
In der formalistischen Filmtheorie dient der Begriff zunächst dazu, die Ästhetik des Films als Medium zu spezifizieren: Ejchenbaum nennt „die im Detail sichtbare Bewegung“ die Dominante des Films. Darüber hinaus werden verschiedene Filmgattungen anhand ihrer jeweils dominanten Sujetverfahren (kennzeichnend z.B. für den Abenteuerfilm die serielle Sujetkonstruktion) unterschieden. 

Literatur: Jakobson, Roman: Die Dominante. In: Die Erweckung des Wortes. Essays der russischen Formalen Schule. Hrsg. v. Fritz Mierau. Leipzig: Reclam 1987, S. 258-264. Zuerst tschech. 1935. Zahlr. Übers. u. Drucke.