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dramatic shot

auch: dramatic-angle shot; dramatic-lighting shot;

Der Ausdruck erscheint in zwei Hauptverwendungsweisen, die sich jedoch nicht gegenseitig ausschließen: (1) Zum einen wird damit ein Foto oder eine Kameraaufnahme charakterisiert, die eine Person bei einer als „dramatisch“ zu beurteilenden Haltung, Tätigkeit oder Handlung zeigt oder auch einen handlungsrelevanten Gegenstand in einer als „dramatisch“ empfundenen Szene präsentiert. (2) Zum anderen bezeichnet man damit den forcierten Einsatz der Kamera zur visuellen Emphase, etwa aus einer ungewöhnlichen Kameraperspektive heraus, oft bei entsprechend akzentuierender, kontrastreicher Beleuchtung.
Häufig dienen widrige äußere Bedingungen wie Sturm, Gewitter, Erdbeben usw., dazu, den Eindruck erhöhter Dramatik entstehen zu lassen, ohne dass die gezeigten Gegenstände selbst in eine tatsächlich dramatische Handlung eingebunden sein müssten. Ein filmgeschichtlich besonders eindrucksvolles und deshalb immer wieder genanntes Beispiel ist der brennende „Rosebud“-Rodelschlitten am Ende von Citizen Kane (1941, Orson Welles).
Wie Regisseure mit theoretischen Ambitionen von Eisenstein bis Mamet dargelegt haben, ist der dramatic shot – genauer: die Verwendung einer bestimmten Einstellung als dramatic shot – ein wichtiges genuines Mittel der Filmsprache, um den Zuschauern etwas auf eine vornehmlich visuelle Weise so zu zeigen, dass sie Zusammenhänge unmittelbar verstehen, die ansonsten im Bereich der sprachlichen Narration umständlich und spannungsmindernd erklärt werden müssten. 

Literatur: Mamet, David: On directing film. New York / London: Penguin, 1991, S. 86ff.; dt.: Die Kunst der Filmregie. 3. Aufl. Berlin: Alexander-Verlag 2003.