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Drew Associates

Robert Lincoln Drew hatte als Stipendiat in Harvard das Programm einer „beobachtenden Reportage“ entwickelt. Im Jahre 1960 – er arbeitete als Redakteur bei der Life – drehte er im Rahmen eines Time-ABC-Joint-Ventures den Film Primary, in dem die Wahlkampagne des Senator John F. Kennedy gegen Hubert Humphrey im Bundesstaat Wisconsin dargestellt wurde. Indem Drew auf 16mm und mit einem handlichen Nagra-Tonfilmrekorder drehte, erreichte er die Qualität einer aktuellen Reportage: das Direct Cinema war geboren. Drew nannte das Verfahren auch „candid drama“ und bezeichnete damit eine Fernsehform, die nicht als „Vorlesung mit Bebilderung“ daherkam, sondern in der sich der Filmemacher an die natürliche und vorfilmisch gegebene Form des Dramas anzuschmiegen suche und auf diese Weise die Sinne und den Intellekt des Zuschauers durch die Realität selbst anspreche.
Zu seinen Mitarbeitern am ersten Dokumentarfilm dieser neuen, von Drew selbst „cinema verite“ genannten Richtung des Dokumentarfilms gehörten Albert Maysles, D.A. Pennebaker und Richard Leacock, die alle die Geschchte des amerikanischen Dokumentarfilms in den nächsten Jahren bestimmen würden. Nach der Produktion gründete der Produzent Robert Drew die bis heute aktive Firma Drew Associates, die zahlreiche weitere Filme, die Dokumentarfilmgeschichte machten, finanzierte, unter ihnen Crisis (1963), Faces of November (1964) und On the Road with Duke Ellington (1974). Von der International Documentary Association (IDA) erhielt Drew im Jahre 1993 einen „Career Achievement Award“. In der Anfangszeit durch einen Vertrag mit Time, Inc. und ABC gedeckt, realisierte die Firma ihre Filme nach dem Auslaufen dieses Vertrags in meist projektweisen Absprachen mit ABC oder NBC, der englischen BBC, mit staatlichen Stellen oder auch gänzlich als freier Produzent – bis heute am Rande der im Fernsehen nach wie vor dominierenden Voice-Over-Reportagen. 

Literatur: http://www.drewassociates.net/ – O'Connell, P.J.: Robert Drew and the Development of Cinema Verite in America. Carbondale: Southern Illinois University Press 1992.