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Dritte Welt

Ein Begriff, der ursprünglich Entwicklungsländer bezeichnete, heute aber mit Verweis auf die Inhomogenität der jeweiligen Länder stark kritisiert und immer seltener benutzt wird. Es handelt sich vor allem um ein im Dokumentarfilm behandeltes Thema, das den spezifischen wirtschaftlichen, politischen, sozialen oder auch ökologischen Problemen der Dritten Welt gilt.
Die Dritte Welt war anfangs des 20. Jahrhunderts ein populäres Thema der Ethnologie – folglich entstanden zahlreiche ethnographische Filme: Die für das westliche Publikum unbekannten Länder wurden auf mehr oder weniger verklärende Weise dargestellt; Rituale, Religionen, Lebensgemeinschaften etc. wurden untersucht – Filme, die zwischen Vorstellungen einer Ursprünglichkeit der Kulturen in der Dritten Welt und Imaginationen des im 19. Jahrhundert so populären „edlen Wilden“ schwanken, gelegentlich aber schon Ansätze der modernen  Auseinandersetzung mit den Lebensrealitäten der Dargestellten aufnehmen. Nach dem Ende der Kolonialreiche, diversen wütenden dokumentarischen Attacken auf die Kolonialgeschichte und deren Fortführung der Unterdrückung mit anderen Mitteln sowie auf westliche Hegemonien und Monopole (darunter La hora de los hornos, Argentinien 1968, Fernando Solanas), vor allem seit Beginn des Nord-Süd-Dialogs in den 1970ern wird auch das Verhältnis und der Umgang Europas respektive der ehemaligen Kolonialmächte und der USA mit den unabhängig gewordenen Staaten filmisch in größerer Breite thematisiert. Im Unterschied zum historischen Kolonialfilm werden Konflikte nicht mehr aus eurozentrischer respektive westlicher Perspektive dargestellt, sondern es wird eher ein analytischer Standpunkt eingenommen (bis zu einer fast kömödiantisch anmutenden Verdrehung der interpretativen Macht etwa in Jean Rouchs Film Madame l‘Eau, Frankreich/Niederlande 1982). Das Thema wird häufig von Filmemachern bearbeitet, die aus den Herkunftsländern vertrieben wurden und sich in kritischer Distanz mit den Regionen beschäftigen. Filme zum Thema können aber auch von einheimischen Teams produziert werden. 

Literatur: Ekotto, Frieda [...] (eds.): Rethinking third cinema. The role of anti‑colonial media and aesthetics in postmodernity. Berlin/Münster: Lit 2009. – Mowitt, John: Re‑takes. Postcoloniality and foreign film languages. Minneapolis, Minn. [...]: University of Minnesota Press 2005. – Toh, Swee‑Hin: Towards compassion and justice: audiovisual mass media and the North‑South divide. In: Tijdschrift voor Theaterwetenschap 7,27-28, 1989, S. 70‑91. 
 

Referenzen