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Dromologie

nach griech. ‚dromos‘ =Lauf; die Logik des Laufs bzw. der Geschwindigkeit

Das Wissensgebiet des französischen Urbanisten und Medientheoretikers Paul Virilio. Untersucht wird die verborgene, geleugnete und/oder verschwiegene Beziehung zwischen der Geschwindigkeit der kriegerischen, destruktiven Genese von Medien und der Veränderung der Wahrnehmung von Raum und Zeit. Die Negativität der Technik, die auf die negative Dimension der Vernunft verweist, gilt es herauszuarbeiten. Virilio behauptet eine voranschreitende Auflösung des Realen durch immer schnellere Belichtungs- und Übertragungszeiten, wobei die raumnegierende Übertragung der Bilder nicht mehr die Differenz zwischen Ding und Abbild, sondern die zwischen Aktualität und Virtualität in den Vordergrund rückt. In Deutschland wurde Virilio mit seinem Buch Krieg und Kino (1986) populär, aber auch mit seinen kritischen Äußerungen zum Zusammenhang von Medien und Politik. Seine Gedanken sind vor allem in diskursanalytisch orientierte aktuelle Medientheorien eingeflossen und sind Bestandteil medien- und ideologiekritischer Kulturanalyse geworden. 

Literatur: Virilio, Paul: Geschwindigkeit und Politik. Ein Essay zur Dromologie. Berlin: Merve 1989. – Ders.: Ästhetik des Verschwindens. Berlin: Merve 1986. – Ders.: Die Sehmaschine. Berlin: Merve 1989. – Ders.: Die Eroberung des Körpers – Vom Übermenschen zum überreizten Menschen. München: Hanser 1994. – Kloock, Daniela: Ästhetik der Geschwindigkeit. Paul Virilio. In: Kloock, Daniela / Spahr, Angela: Medientheorien – eine Einführung. München: Fink 2000, S. 133-165. – Tholen, Georg Christoph: Geschwindigkeit als Dispositiv, zum Horizont der Dromologie im Werk Paul Virilios. In: Von Michel Serres bis Julia Kristeva. Hrsg. v. Joseph Jurt. Freiburg i.Br.: Rombach 1999, S. 135-162.
 

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