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Dual-Screen-Verfahren / Dual Screen

In der zweiten Hälfte der 1960er Jahre im Experimentalfilm aufkommende Projektionsmethode, bei der zwei 16mm-Filmbilder nebeneinander projiziert werden. Das Dual-Screen-Verfahren ist im damals entstehenden „Expanded Cinema“ verankert, das eine drastisch erweiterte Multi-Media-Technologie zur ebenfalls drastisch erweiterten Bild- und Ton-Ästhetik (bis hin zur totalen Reizüberflutung) mobilisierte.
Das Verfahren wurde durch Warhols Film The Chelsea Girls bekannt, der 1966 den Sprung in den nationalen Verleih schaffte und bis Ende 1967 allein in den USA mehrere hunderttausend Dollar einspielte. Trotz seines radikalen Formats und seiner Länge (210 Minuten) wurde der Film zum kommerziell erfolgreichsten Avantgarde-Film aller Zeiten, wohl auch, weil das Dual-Screen-Verfahren den urbanen Hip-Stil der Factory-Gruppe und deren kalkuliertes Chaos effektiv zu unterstreichen vermochte. Warhol hatte das Verfahren jedoch bereits 1965 in dem Edie Sedgwick Film Outer and Inner Space ausprobiert, der ausserdem als erster der Mediengeschichte bekannter Einsatz von Video-Technologie gilt. Der Film zeigt „Superstar“ Sedgwick in der Factory neben einem Monitor sitzend, über das ihr eigenes zuvor von Warhol aufgenommenes Videobild flimmert.
Mit der Popularisierung des Dual-Screen-Verfahrens wurde eine Konzeptschwelle überschritten, jenseits derer es in den späten 1960er Jahren zeitweilig zu immer grösseren Bildkombinationen kam. 1966 führte Kenneth Anger sein bereits zehn Jahre altes Epos Inauguration of the Pleasure Dome in neuem Triptych-Format vor. Der Spielfilm konnte die Doppelprojektion wegen ihres radikalen Vorführformats lediglich indirekt ästhetisch nachempfinden. Für kurze Zeit tat er dies gerne, jedoch nicht etwa um die Splitterung der Gesellschaft zu allegorisieren, sondern des Melodramas wegen. Siehe z. B. Haskell Wexlers Fotografie in Medium Cool (1967) und The Thomas Crown Affair (1968) oder William Greaves’ halbdokumentarische Satire Symbiopsychotaxiplasm: Take One (1967). 

Literatur: Angell, Callie: Doubling the Screen: Andy Warhol’s Outer and Inner Space. Millenium Film Journal 38, 2002 [online]. – Grundmann, Roy: Masters of Ceremony: Media Demonstration as Performance in Three Instances of Expanded Cinema. The Velvet Light Trap 54,2, 2004. – Joseph, Branden: My Mind Split Open: Andy Warhol’s Exploding Plastic Inevitable. Grey Room 8, 2002 [online].