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Dystopie: Themen

Filmische Utopien beschreiben futuristische Staats- und Gesellschaftssysteme, von Beginn der Filmgeschichte an jedoch mit ambivalenter oder sogar negativer Tendenz. Zentraler Handlungsort ist in fast allen Dystopien die Großstadt, in der sich soziale, politische und ökonomische Phänomene der Moderne in nuce abbilden lassen. Dabei bilden sich eine Reihe thematischer Schwerpunkte und Funktionen aus. (1) Wie viele andere Geschichten aus den künftigen Megacities erzählt Fritz Langs Metropolis (1927) von einer totalitären (manchmal auch: anarchischen) Gesellschaft mit Werteverfall. (2) Gerade nach dem zweiten Weltkrieg und in der Phase des „Kalten Krieges“ werden Dystopien zu wichtigen Fiktionen, um die eigene von der fremden Ideologie abzugrenzen. Vor allem der US-amerikanische „paranoide Science Fiction“-Film der 1950er und 1960er Jahre bringt hier Filme wie Don Siegels Invasion of the Body Snatchers (USA 1956) hervor, in welchem das Bild einer emotionslosen, gleichgeschalteten Menschheit entworfen wird. Der fantastische Plot wird vor dem Hintergrund des sich zuspitzenden Konflikts zwischen den USA und der damaligen UdSSR als politische Parabel und „dystopische Warnung“ vor dem Kommunismus lesbar. (3) Ab den 1980er Jahren gerät auch die andere Seite, der konsumfixierte, mediengesteuerte und strukturell-gewalttätige Kapitalismus westlicher Prägung in das Motivinventar der Dystopien. Hier sind Filme wie John Carpenters Escape from New York (USA 1981), Paul M. Glasers The Running Man (USA 1987, der eine Mediendystopie abbildet, wie sie sich so schon in Tom Toelles Das Millionenspiel, D 1970, findet) oder Paul Verhoevens Robocop (USA 1987) maßgeblich. (4) Die Hintergründe utopischer und dystopischer Zivilisationsentwürfe reichen darüber hinaus von religiösen Themen (Volker Schloendorffs Die Geschichte der Dienerin, BRD/USA 1990) über (5) apokalyptische Sujets (etwa Nicholas Meyers The Day After, USA 1983, Konstantin Lopushanskys Pisma myortvogo cheloveka / dt.: Briefe eines Toten, UdSSR 1986 oder George Millers Mad Max, Australien 1979) bis hin zu (6) soziologischen Fragestellungen (Alex Proyas’ Dark City, USA 1998) und (7) ökologischen (Roland Emmerichs The Day after Tomorrow, USA 2004) Prospektiven.

Literatur: Ralf Leppin: Die postnukleare Endzeitvision im Film der achtziger Jahre. Köln: Teiresias 1997. – Hans Krah: Weltuntergangsszenarien und Zukunftsentwürfe. Narrationen vom „Ende“ in Literatur und Film 1945-1990. Kiel: Ludwig 2004. – Margit Fröhlich et al (Hgg.): Nach dem Ende. Auflösung und Untergänge im Kino an der Jahrtausendwende. Marburg: Schüren 2001.