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Ehedrama

Oft eine Variante des Melodramas, deren zentrales Motiv – der emotional aufgeladene zwischenmenschliche Konflikt – zwischen Eheleuten angesiedelt ist. Ehedramen nehmen vielfach die Perspektive der weiblichen Figur ein und erzählen regelmäßig die Geschichte einer schwer geprüften Liebe, die auf ein verhaltenes Happy-End zusteuern kann. Der vielleicht berühmteste Stoff ist die Madame Bovary (u.a. verfilmt von Claude Chabrol, Frankreich 1991). Ein anderes Beispiel ist Serenade (Deutschland 1937, Willi Forst), der vom Kampf einer jungen Frau um die Liebe ihres Ehemannes handelt, der seine verstorbene erste Frau nicht vergessen kann. Häufiger ist jedoch die tragische Liebe, die durch Verzicht und Entsagung gekennzeichnet ist und nicht selten mit dem Tod einer der beiden Ehepartner oder gar einem Beziehungs- und Familienmord endet. Wie beim Melodrama sind auch hier starke Emotionalisierung und Sentimentalisierung charakteristisch, dominieren Gefühls- über Handlungsmomente, sind wechselbadartige Zuspitzungen und polarisierende Figurenzeichnungen üblich (so, wie George Cukors Musical A Star Is Born, USA 1954, von einem berühmten Schauspieler erzählt, der zum Alkoholiker wird und schließlich stirbt, während seiner junger Frau eine beispiellose Karriere gelingt). Weniger melodramatische Varianten verzichten jedoch auf sentimentale Überfrachtung und setzen stattdessen im Sinn einer Charakterstudie auf eine möglichst nüchterne (und gerade deshalb verstörend realistische) Beobachtung vom schmerzhaften Zerfall einer Beziehung; das wohl berühmteste Beispiel ist Ingmar Bergmans Ehe-Studie Scener ur ett Äktenskap (Schweden 1973). In einer Art Momentaufnahme resümiert Who‘s Afraid of Virginia Woolf? (USA 1965, Mike Nichols) eine vollständig zerstörte Akademiker-Ehe, in der gegenseitiger Hass das eigentliche Bindemittel der Beziehung geworden ist. Eine eigene Motivik haben Geschichten ausgebildet, die vom Mißtrauen zwischen Ehepartnern erzählen (wie in Alfred Hitchcocks Suspicion, USA 1942, oder in Kaige Chens Killing Me Softly, USA/Großbritannien 2002).
 

Referenzen