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Emakimono

In der japanischen Heian-Zeit während des 11./12. Jahrhunderts aufgekommene, dem Buddhismus entstammende Technik der erzählenden, horizontal zu lesenden Bildhandrollen (auf Pergament, Papier oder Seide gemalte, häufig farbige Rollenbilder mit ca. 50 cm breiten Szenen und knappen, erklärenden Texten), die ursprünglich über die Entstehungsgeschichten von Tempeln, religiösen Schreinen und Heiligtümern berichteten bzw. die wunderbaren Begebenheiten, die mit ihnen in Verbindung gebracht wurden, für ihre Leser ebenso narrativ ausschmückten wie die Taten der Krieger oder romantische Liebesgeschichten. Neben missionarischen Zwecken dienten die emakimono stets auch handfesten Unterhaltungsbedürfnissen ihrer Betrachter. Beziehungen zu den Techniken moderner Manga-Comics, Animes und Animationsfilme sind von kunstgeschichtlicher Warte diskutiert worden. Im Bereich des Films kann auf die ähnlichen atmosphärischen Effekte der Wisch- oder Schiebeblende verwiesen werden, und tatsächlich hat Keisuke Kinoshita die Wirkung eines emakimono auf diese Weise bei der Neubearbeitung eines Kabuki-Theaterstücks vom Anfang des 19. Jahrhunderts in seinem zweiteiligen Yotsuya Kaidan ("Der Geist von Yotsuya", 1949) evozieren wollen.

Literatur: Hasé, Akihisa / Seckel, Dietrich: Emakimono: the art of the Japanese painted hand-scroll. London: Cape 1959. – Keisuke Kinoshita: Entretien, études, filmographie, iconographie. Réunis par Regula König et Marianne Lewinsky; avec une préface de Donald Richie. Locarno: Éditions du Festival international du film 1986, S. 17-58. – Okudaira, Hideo: Narrative picture scrolls. New York: Weatherhill 1973. - Tsuji, Nobuo: Early Medieval picture scrolls as ancestors of anime and manga. In: Coolidge Rousmaniere, Nicole (ed.): Births and rebirths in Japanese art. Leiden: Hotei Publishing 2001.
 

Referenzen