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encoding / decoding

Erstmals 1973 formuliert von Stuart Hall im Rahmen der Cultural Studies als allgemeines Konzept des Textverständnisses (Bücher, Bilder, Filme im umfassenden Sinne als Text aufgefasst) auf semiotischer Grundlage. Rezeption wird dabei als produktive Auseinandersetzung mit dem Text verstanden, Text als grundsätzlich polysem (mehrdeutig). Hall unterscheidet drei Lesarten von Texten: dominant-hegemonial (die gewünschte, offizielle Lesart), ausgehandelt (negotiated code = als Zwischenstufe mit Anteilen der dominant-hegemonialen und der eigenständigen / oppositionellen) und oppositionell (die widerständige Lesart). Diese drei Typen differenzieren, inwieweit die im Text vorhandene ideologische Position mit der des Rezipienten korreliert und von ihm eingenommen wird. So kann man das Statement eines Politikers ernst nehmen als Bekundung seiner Überzeugung, man kann es als reines Wahlkampfmanöver und somit unwahr und täuschend auffassen oder verschiedenste Zwischenstufen aus beiden Extremen einnehmen.

Literatur: Hall, Stuart: Encoding/decoding. In: Working Papers in Cultural Studies, 1972-79. Ed. by Centre for Contemporary Cultural Studies. London: Hutchinson 1980, S. 128-138. Dt. in: Cultural Studies. Grundlagentexte zur Einführung. Hrsg. v. Roger Bromley, Udo Göttlich, Carsten Winter. Lüneburg: zu Klampen 1999, S. 92-110. – Hall, Stuart: Reflections upon the Encoding/Decoding Model. In: Viewing, Reading, Listening. Audiences and Cultural Reception. Ed. by Jon Cruz and Justin Lewis. Boulder, Col.: Westview Press 1994, S. 253-274. – Wren-Lewis, Justin: The encoding/decoding model: Criticisms and redevelopments for research on decoding. In: Media, Culture and Society 5,2, 1983, S. 179-197.