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entfesselte Kamera

Im Verlauf der frühen Filmgeschichte wurden immer neue Versuche unternommen, die Kamera von ihrem festen Punkt, dem Stativ, zu lösen und ihren Einsatz zu dynamisieren. Dies konnte durch Schwenks, Kamerafahrten oder Kameras in Fahrzeugen geschehen. In den 1920er Jahren wurden diese Tendenzen in einigen deutschen Filmen verstärkt, indem die Kamera z.B. an einem Trapez befestigt durch ein Zirkuszelt schwang (Varieté, E.A. Dupont, 1925) oder zusammen mit dem Kameramann auf einer Schaukel pendelte (Der letzte Mann, F.W. Murnau, 1924). In beiden Filmen war Karl Freund der Kameramann, der seither mit dem Begriff der entfesselten Kamera verbunden wird. Die derart bewegte Kamera vermittelte das gezeigte Geschehen, dessen Atmosphäre und die Befindlichkeit des Protagonisten in stärkerem Maße, was den ästhetischen Reiz dieser Bemühungen ausmachte.
Leichtere Kameratypen und die Steadicam erweiterten zunehmend die Beweglichkeit, heutzutage lässt sich die Kamera durch Kräne in fast jede Position und jeden Bewegungsablauf bringen.

Literatur: Prümm, Karl: Das schwebende Auge. Zur Genese der bewegten Kamera. In: Medien und ihre Technik. Theorien – Modelle – Geschichte. Hrsg. v. Harro Segeberg. Marburg: Schüren 2004, S. 235-256.