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ero-guro-nansensu

auch: nansensu-mono; japanisch für „erotisch-grotesker Nonsens“ (von der Aussprache des englischen „erotic + grotesque + nonsense“)

Ursprünglich ein Bruder des Tendenzfilms (keiko-eiga) in komödiantischem Gewand. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen begann das japanische Kino, lange bekannte Elemente aus der erotischen Populärliteratur und aus der Theaterdramaturgie vom Ende der historischen Edo-Periode (1600-1868) – wie das Groteske und die nansensu genannte burleske bzw. farcenhafte Übertreibung – für eine filmische Aufbereitung nach westlichen Vorbildern auszubeuten. Der Hedonismus, der im Tokyo der Taisho-Zeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts gepflegt wurde, machte aus der theaterdramaturgischen Kategorie geradezu einen Lifestyle.
In diesem Genre verdiente sich ein später so bedeutender Regisseur wie Yasujirô Ozu (1903-1963) seine ersten Sporen. 1926 wurde er auf eigenen Wunsch Assistent von Tadamoto Okubo, einem Routinier trivialer Stoffe in Werken, die als nansensu-mono („Nonsens-Film“) bezeichnet wurden. Für einen seiner ersten Filme als Regissseur, Wakôdo no Yume (= „Traum der Jugend“ 1928), schrieb er zudem selbst das Drehbuch. Ähnlich erlernte auch der jüngere Yûzô Kawashima (1918-1963) unter Okubo sein Handwerk mit dieser Art der Stoffbewältigung. Nach dem Krieg, der strengen Moralherrschaft des kaiserlichen Militärs und als Reaktion auf die Entbehrungen der Zeit fand das Genre in den 1950er und 1960er Jahren wieder ein breiteres Interesse.
Dieses ero-guro-nansensu ist von dem Ausdruck ero-guro in der japanischen Hentai-Pornografie zu unterscheiden.

Literatur: Buruma, Ian: Inventing Japan, 1853-1964. New York: Modern Library 2003, S. 63-84. – Richie, Donald: A hundred years of Japanese film: a concise history. With a selective guide to videos and DVDs. Tokyo/New York: Kodansha International 2001, S. 54-55. – Yoneyama, Yoshihirô [Hrsg.]: Ranpô no jidai: Shôwa ero-guro-nansensu. In: Taiyo: Nihon no kokoro 88, 1994 ( Bessatsu [= Sonderheft über die Zeit des Schriftstellers Edogawa Ranpô, 1894-1965, und die Shôwa-Zeit, 1926-1989]).

Referenzen