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exception culturelle

Seit 1947 regelten Handelsabkommen internationale Handelsbeziehungen (GATT; abgelöst 1995 durch die WTO). In jüngerer Zeit kam es durch die Globalisierung des Welthandels zu den Accords Multilatéraux sur les Investissements (AMI), die eine Liberalisierung des Handels ermöglichen sollten. Die französische Filmindustrie antwortete auf die Entwürfe einer Öffnung der nationalen Märkte, die bei der 8. GATT-Runde in Uruguay („Uruguay-Runde“, 1986-93) mit Petitionen, verlangte eine größere Präsenz in den Medien, um beim heimischen Publikum ein Bewusstsein für die eigene Filmkultur zu erhalten oder erst zu schaffen, und wandte sich an bekannte Vertreter des amerikanischen Films wie Martin Scorsese und Steven Spielberg. AMI ist immer noch in der Diskussion. Die französische „Ausnahme“ – „exception culturelle française“ –, die noch 1993 erfolgreich in den GATS-Verhandlungen (in denen es um den internationalen Austausch von Dienstleistungen ging) durchgefochten wurde, wird heute unter dem Stichwort der „Diversität“ verhandelt, für die auch die Produktionen anderer kleiner Filmländer stehen. Die französische Quotenregelung, die noch aus den Gatt-Verhandlungen hervorging, muss als kulturelle Ausnahmeregelung in ganzer Breite verstanden werden. Durch Quoten wurde z.B. auch das französische Chanson gegen den angelsächsischen Rock’n‘Roll geschützt.
Mit der Gründung des Vivendi-Konzerns bietet Frankreich den meist amerikanischen Medienmultis die Stirn. Vivendi erwarb den Fernsehsender Canal plus und vor allem die Universal Group, wodurch eines der fünf Hollywood Major-Studios unter französische Führung kam. Eine breite Diskussion darüber begann, inwieweit die Vivendi Universal Group französisch sei und bleiben müsse. Eine Schlüsselrolle nimmt dabei Canal plus ein: Der Sender ist an 20-25% der Produktion französischer Filme beteiligt und unterstützt auch ausländische Filme wie die von Youssef Chahine und Pedro Almodóvar. Daher bedeutet die Unterstützung durch Canal plus auch die Sicherung französischen Einflusses auf andere Filmländer. Die Führungsfigur von Vivendi, Jean Marie Messier, propagierte kulturelle Vielfalt, erteilte dann aber eine Absage an die „französische Ausnahme“, als er 2001 demonstrativ nach New York umsiedelte. Heute scheint sich eine Tendenz zu einem „consumer driven approach“ abzuzeichnen, wie es in Strategiepapieren heißt.

Literatur: Farchy, Joelle: La fin de l'exception culturelle? Paris: Ed. CNRS 1999. – Gournay, Bernard: Exception culturelle et mondialisation. Paris: Presses de Sciences Po 2002. – Rigaud, Jacques: L'exception culturelle: culture et pouvoirs sous la Ve République. Paris: Grasset 1995.
 

Referenzen