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Existenzialismus im Film

Von der insbesondere in Frankreich und Deutschland zwischen den 1930er und 1950er Jahren beherrschenden philosophischen Richtung beeinflusste Filme, für die die Annahme der Unbegreiflichkeit der realen Welt durch den Menschen konstitutiv ist. Der Existenzialismus repräsentiert sich direkt in den Dramen- und Romanverfilmungen ihrer französischen Hauptvertreter Jean-Paul Sartre und Albert Camus (z.B. Les Jeux sont faits, 1947, Jean Delannoy; I Sequestrati di Altona, 1962, Vittorio de Sica; Lo Straniero / Der Fremde, 1967, Luchino Visconti). Deren Protagonisten erscheinen innerlich zerrissen, sind mit einer Welt der Disharmonie und Fragwürigkeit konfrontiert, die ihnen den Weg zu ihren wahren Seinsmöglichkeiten verwehrt. Sie sind häufig einsame, in unaufhellbare Situationen gestellte Charaktere, die nicht in allgemeingültigen, von ihrer sozialen Umwelt vertretenen Erkenntnissen und Lebensansichten Ruhe zu finden. Es gibt eine ganze Reihe von Beispielen, die von den späten 1940er bis in die frühen 1960er Jahren existentialistische Grundhaltungen durchgespielt haben. Zu ihnen rechnen neben den Camus- und Sartre-Adaptionen Filme wie René Cléments La Bataille du Rail (1945) und Les Maudits(1946), Ingmar Bergmans Det sjunde Inseglet (Das siebente Siegel, 1956) und noch sein Tystnaden (Das Schweigen, 1963), Georg Tresslers Das Totenschiff (1959) und sogar Stanley Kramers Post-Doomsday-Drama On the Beach(1959).
Existentialistische Motive und Konstellationen finden sich in vielen anderen Filmen, sind nicht an die Zeit gebunden, als der Existentialismus verbreitete Haltung war. Das auf sich selbst gestellte Subjekt ist dabei immer gezwungen, sich in jedem Augenblick zu entscheiden. Es weiß sich absolut verantwortlich für sein Tun und seinen Charakter, obwohl es diesen nicht selbst gemacht hat und nicht gefragt wurde, ob es in der Welt sein will. Zuspitzungen auf solchermaßen existenzielle Entscheidungssituationen finden sich häufig in Familiendramen und im Gangsterfilm.