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Experimentalfilm

Oberbegriff für eine Vielzahl von filmischen Formen, die sich dem herkömmlichen kommerziellen Spielfilm verweigern und Film als eigene Kunstform etablieren wollen. Experimentalfilm ist fast immer eine reflexive Form der Filmpraxis, in der das Filmische selbst wahrnehmbar gemacht werden oder die Möglichkeiten der filmischen Bedeutungsproduktion ausgelotet werden sollen. Der Begriff fasst sowohl Versuche, die bedeutungstragendes Material neu arrangieren oder nach ungekannten Konventionen ordnen (wie Maya Derens Filme Meshes of the Afternoon, 1943, oder At Land, 1944), die das Material selbst bearbeiten und verfremden (wie Paul Sharits‘ Farbexperiment Rapture, 1987, Martin Arnolds Szenen-Zerdehnung Pièce touchée, 1989, oder Klaus Telschers Nachsommer, 1987), an die Grenzen des Signifikativen getriebene Filme wie das strukturelle Kino Michael Snows (z.B. in Seated Figures, 1988) oder subversive Kollagen wie Marc Adrians theoria (1971) zusammen. Experimentelle Szenen finden sich auch in vielen anderen Filmen, die selbst nicht dem Experimentalfilm zugehören.
Ursprünglich bezog der Begriff auch kürzere Versuche und Proben von Regisseuren ein, bevor diese ihren ersten Spielfilm drehen konnten. Seit den 1960er Jahren meint Experimentalfilm die ausdifferenzierten formalen Filmexperimente, für die sich abseits der kommerziellen Filmökonomie eigene Förderinstitutionen (wie spezialisierte Festivals wie das Osnabrücker European Media Art Festival, das aus dem Experimentalfilm-Workshop hervorgegangen ist) und Abspielstätten (Museen, Kunstgalerien etc.) etabliert haben. Damit hat der Begriff sich dem Verständnis der Filmvantgarde angenähert, zugleich aber Formen des experimentellen Videos und der Medienkunst integriert.

Literatur: Curtis, David: Experimental Cinema: A Fity-Year Evolution. New York: Dell 1971. - Rees, A.L.: A History of Experimental Film and Video. London: British Film Institute. – Scheugl, Hans / Schmidt, Ernst, jr.: Eine Subgeschichte des Films. Lexikon des Avantgarde-, Experimental- und Undergroundfilms. Frankfurt: Suhrkamp 1974.
 

Referenzen