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Fensterfilm

Richtung des Experimentalfilms. Der Film wird ausschließlich oder über weite Strecken aus einem Fenster gefilmt (Beispiele: Real Italian Pizza, USA 1971, David Rimmer; Kaskara, BRD 1974, Dore O.; Windows, Großbritannien 1975, Peter Greenaway; Kopfstück 1:3:1, Österreich 1986, Dietmar Brehm). Dabei liegt der Reiz in den ästhetischen und inhaltlichen Möglichkeiten, die sich durch die Limitationen der Drehsituation ergeben: Die Kamera verharrt (fast) bewegungslos, und durch die Rahmung des Fensters entsteht sozusagen auf natürliche Art eine zweite Kadrierung im filmischen Bild. Der Blick aus dem Fenster kann Unterschiedliches erfassen – die Spannbreite reicht vom Kornfeld über Landschaften anderer Art bis hin zum geschäftigen Boulevard einer Großstadt. Unterschiedliche Witterungen, aber auch verschiedene technische Bedingungen wie Farbe, Masken, Zeitlupe, Tiefenschärfe, Licht etc. sind weitere Gestaltungsmittel. Typischerweise kommt der Spielfilm – wenn überhaupt – nur punktuell als Fensterfilm daher, sei es in Gestalt einzelner Sequenzen oder als Teile eines Episodenfilms. Es sei aber daran erinnert, dass der Fensterfilm das reflexive Spiel mit dem Rahmen, wie es z.B. in den Gemälden René Magrittes getrieben wird, für den Film adaptiert. Fensterblicke sind deshalb so interessant, weil eine stillschweigend beachtete Devise der Komposition des Filmbildes die Suche nach dem Tableau sein kann. Immer wieder strebt z.B. der Abenteuerfilm Blicke auf Landschaften oder fremde Architekturen an, die nur des Rahmens bedürften, um ihren Charakter als stillstehende Blicke auf die Komponiertheit des Vorfilmischen auszudrücken. Ein Film wie James Ivorys A Room with a View (1985) macht die Suche nach einer Position der Akteure im Gegenüber der Landschaft sogar zum eigenen Programm, darin einen ästhetischen Diskurs führend, der dem der Fensterfilme ähnelt.