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Feuilleton

von frz. = Blättchen

(1) Zu den Zeiten der Französischen Revolution begann man, dem Journal des Débats ein Blättchen mit Theaternachrichten und -kritiken beizulegen, die sich schon bald solcher Beliebtheit erfreuten, dass sie ins Hauptblatt aufgenommen wurden – im unteren Viertel oder Drittel der Seite, durch einen dicken Strich vom politischen Teil abgetrennt (hier hat der Ausdruck „Unter dem Strich“ seinen Ursprung). Diese Platzierung literarischer, wissenschaftlicher, kritischer Artikel in einer eigenen Zeitungsrubrik wurde im 19. Jahrhundert auch von Zeitungen in Deutschland übernommen. Als Begründer des modernen Feuilletonismus gilt neben Heinrich Heine auch Ludwig Börne. Bis heute versammelt das Feuilleton, das meist eine eigene Redaktion hat, Nachrichten und Essays aus dem Kultur- und Geistesleben – aus Literatur, Theater, Kunst und Wissenschaft – sowie Reiseberichte und belletristische Beiträge (z.B. Erzählungen, Kurzgeschichten, Gedichte, Fortsetzungsromane).
(2) Das Feuilleton ist eine journalistische Stilform, in der das Subjektive von der Wahl der Sujets bis zur persönlichen Form der Darstellung, Sprache und Weltanschauung ausgedrückt werden kann. Als Feuilletonismus bezeichnet man jede journalistische Form, die das Persönlich-Individuelle des Journalisten als ein Zentrum des Schreibens ansieht. Die Bezeichnung „Feuilletonismus“ kann pejorativ gesetzt sein und dann eher auf Prätentiösität, Eitelkeit der Selbstdarstellung, Narzissmus des Stils zielen; sie kann aber auch eine sehr persönlich gefärbte literarisch-journalistische Kunstform bezeichnen, die an den Essay als Gattung grenzt.

Literatur: Bachleitner, Norbert: Kleine Geschichte des deutschen Feuilletonromans. Tübingen: Narr 1999. – Meunier, Ernst / Jessen, Hans: Das deutsche Feuilleton. Ein Beitrag zur Zeitungskunde. Berlin: Duncker 1931. – Fouad El-Emary, Naglaa: Le feuilleton télévisé et les industries culturelles en Égypte. Genèse et enjeux. Thèse doct., Paris, Université III 1995.