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Figur

Ein durch einen fiktionalen Text dargestelltes Wesen, dem die Rezipienten bestimmte mentale Fähigkeiten zuschreiben (sollen). Figuren sind nicht gleichzusetzen mit fiktiven Menschen, denn auch Tiere, Aliens oder Roboter können Figuren sein. Ausreichend ist, dass der dargestellte Gegenstand als „intentionales System“ angesehen wird, als eine Entität, deren Verhalten sich durch die Zuschreibung mentaler Zustände wie Glauben, Wünschen, Wahrnehmen erklären lässt (nach Dennett). Semiotische Theorien haben Figuren als Textstrukturen angesehen, psychologische Theorien betrachten sie als konkrete Vorstellungen einzelner Zuschauer. Beides ist aber unzutreffend. Eine Figur ist keine Textstruktur, denn die Zeichenträger-Ebene (Bilder, Sprache, Töne) gehört nicht zur Figur, und Figuren können textübergreifend sein. Eine Figur ist auch keine singuläre Vorstellung im Kopf der einzelnen ZuschauerIn, denn mehrere Zuschauer können sich auf dieselbe Figur beziehen. Eine Figur ist ein Vorstellungs-Type, d.h. der wesentliche Bedeutungskern, der in verschiedenen Vorstellungen gleich bleibt. Um Missverständnisse zu vermeiden, ist der Terminus „Figur“ deutlich zu trennen von eng zusammenhängenden, aber nicht bedeutungsgleichen Termini wie „Person“, „Rolle“, „Aktant“, „Darsteller/-in“, „Star“.

Literatur: Taylor, H. und Tröhler, M.: Zu ein paar Facetten der menschlichen Figur im Spielfilm. In: Der Körper im Bild: Schauspiel-Darstellen-Erscheinen, hrsg. v. Heller, H.. Marburg: 1999.
 

Referenzen