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Figur und Grund

Das Figur/Grund-Verhältnis ist eine Form der Wahrnehmungsorganisation, bei der einige Reize als Hintergrund und einige als (sich vom Hintergrund abhebende oder vor dem Hintergrund liegende) Figur organisiert werden. Das Figur/Grund-Verhältnis ist eine spezielle, aber besonders zentrale Form des durch Gestaltgesetze gegliederten Wahrnehmungserlebnisses. Es wurde am Beispiel der Reversionsfiguren als erstem von E. Rubin experimentell untersucht. Reversionsfiguren – auch als „Kippbilder“ oder „Vexierbilder“ bekannt – sind bildhafte Darstellungen, bei denen sich das Figur/Grund-Verhältnis in der Wahrnehmung umkehren kann, so dass die Figur zum Grund wird und der Grund zur Figur. Bekannt ist das Vase-Gesichter-Motiv, das entweder als Vase vor schwarzem Hintergrund oder als zwei schwarze Gesichter im Profil vor weißem Hintergrund gesehen werden kann.
Die psychologische Forschung hat etliche Einflussfaktoren für die Figur/Grund-Gliederung nachgewiesen. Dazu zählen neben den somatisch-physiologischen Aspekten der Sinnesorgane vor allem die unmittelbare Bildumgebung, die kognitiven Voraussetzungen des Bildrezipienten und die konkreten Formen der wahrgenommenen Bereiche. Tendenziell werden z.B. symmetrisch geformte Bereiche eher als Figur wahrgenommen. Das Figur/Grund-Prinzip lässt sich nicht nur im Visuellen, sondern auch im Akustischen oder im motorischen Bereich feststellen und ist auch als emotionales und kognitives Phänomen beschrieben worden. 

Literatur: Goldstein, E. Bruce: Sensation and Perception. Pacific Grove: Brooks/Cole Publishing Company 1996. Dt.: Wahrnehmungspsychologie. Eine Einführung. Heidelberg / Berlin / Oxford: Spektrum 1996. – Metzger, Wolfgang: Gesetze des Sehens. 3. Aufl. Frankfurt: Kramer 1953. – Rubin, E.: Visuell wahrgenommene Figuren. Berlin: Universitas 1921.
 

Referenzen