Metainformationen zur Seite

Filmclub

Nach dem Krieg kam es auf Anregung der Alliierten, die sich an den französischen Ciné-clubs und den angelsächsischen Film-Societies orientierten, in den Westzonen zur Gründung von Filmklubs. Die Klubs stellten nicht nur Filmprogramme zusammen, sondern boten auch einen Rahmen für politische und ästhetische Diskussion der Filme. Da es in den 1950er Jahren die Filme fast nur als 35mm-Kopien gab, waren die Filmklubs auf die Kinos angewiesen. Sie beschafften sich ihre Filme zumeist über kleinere Spezialverleihe und vor allem die Stummfilmklassiker über das Institut für Filmkunde in Wiesbaden. Ausgangspunkt des enormen Zulaufs zu diesen Filmklubs war ein Nachholbedürfnis nach künstlerisch anspruchsvollen ausländischen Filmen, auch spielte das kommunikative Bedürfnis, sich an Hand von Filmen über Weltsicht und Welterfahrung auszutauschen, eine gewichtige Rolle.
Die Filmklubs organisierten sich 1949 auf Anregung Walter Hagemanns in einem eigenen Verband der deutschen Filmclubs. Mitte der 1950er Jahre gehörten ihm 180 Erwachsenenklubs, 144 Jugendklubs und 18 studentische Filmklubs an, die vor allem in Klein- und Mittelstädten arbeiteten. Die Zeit der Filmclubs ging in den 1960er Jahren zu Ende. Ihr Dachverband löste sich 1970 auf.
Der Münsteraner Filmklub, den Walter Hagemann gegründet hatte, war filmkulturell außerordentlich einflussreich. Aus ihm kamen Enno Patalas, Heinz Ungureit, Theodor Kotulla, Dieter Krusche u.a., die für die Erneuerung der bundesdeutschen Filmpublizistik sorgten und seit den 1960er Jahren maßgeblich die Entwicklung des deutschen Films mitbestimmten. 

Literatur: Paech, Anne: Die Schule der Zuschauer. Zur Geschichte der deutschen Filmclub-Bewegung. In: Zwischen Gestern und Morgen. Westdeutscher Nachkriegsfilm 1946-1962. Hrsg. v. Hilmar Hoffmann u. Walter Schobert. Frankfurt: Kommunales Kino 1989, S. 226-245. – Becker, Wieland / Petzold, Volker: Tarkowski trifft King Kong. Geschichte der Filmclubbewegung der DDR. Berlin: Vistas 2000.