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filme de canganceiro

Im Anschluss an Lima Barretos Welterfolg O Cangaceiro (1953) entwickelte sich das brasilianische Genre filme de cangaceiro, das in Analogie zum US-amerikanischen Western auch nordestern genannt wird. Diese Bezeichnung verweist zum einen auf die generische Nähe zum Western und zum anderen auf den Schauplatz im Nordosten Brasiliens. Die Handlung der Filme dreht sich um die historische Figur des cangaceiro, ein Bandit, der vom späten 19. Jahrhundert bis in die 1930er Jahre die von Großgrundbesitzern bestimmte Gesellschaftsordnung im Sertão störte. Ähnlich wie der US-amerikanische Cowboy wurde der cangaceiro mythisch überhöht und dessen Bild durch populäre Kulturformen tradiert. Auch wenn der cangaceiro weder Gründer einer Gemeinschaft noch Eroberer neuen Landes war, entwickelte sich die Figur mit ihrem folkloristischen Habitus in den 1950er Jahren zu einem Symbol der Nationalität Brasiliens. Die Filme erzählen von den Auseinandersetzung um Landbesitz (wie etwa A Morte Comanda o Cangaço, 1961, Carlos Coimbra, Walter Guimares Motta, oder Cangaceiros de Lampião, 1967, Carlos Coimbra), von der Armut des Nordens (wie Vidas Secas, 1963, Nelson Pereira dos Santos) und von Bandenkriegen (wie Deus e o Diabo na Terra do Sol, 1964, Glauber Rocha). Traditionen des Genres wurden auch vom Fernsehen fortgeführt (wie etwa in dem TV-Film A Morte E a Morte de Quincas Berro D'Água, 1978, Walter Avancini). 

Literatur: Caetano, Maria do Rosário (ed.): Cangaço: o nordestern no cinema brasileiro. Brasília: Avathar 2005. – Xavier, Ismail: Alegorias do subdesenvolvimento – cinema novo, tropicalismo, cinema marginal. São Paulo: Editora Brasiliense 1993.