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Filmerbe: BRD

In Deutschland ist das Bundesarchiv dafür verantwortlich, die überlieferten Spuren der Filmgeschichte unseres Landes. Für diese Einrichtung, finanziert durch den Bund, bedeutet nationales Filmerbe = deutsches Kinofilm-Erbe, d.i. ein Werk (1) hergestellt für eine Aufführung im Kino (2) von einer in Deutschland, auch ehemals BRD oder DDR wohnenden natürlichen Person oder einer Institution bzw. Firma mit Sitz in diesen Ländern. (Wie und was vom nationalen Fernseherbe zu bewahren ist, wird den einzelnen Sender-Archiven überlassen.) Bis auf wenige Ausnahmen gibt es in Deutschland keine Abgabe-Verpflichtung von Material wie beispielsweise in Frankreich, d.h. zukünftige Generationen werden kein lückenloses Filmerbe vorfinden. Zur „Sicherung“ genügt laut Bundesarchivgesetzes vom 4.7.2013 die „filmografische Dokumentation“, d.h. die Gesetzgebung begnügt sich mit einer Handvoll schriftlicher Daten als Beweis, dass ein komplexes Gebilde aus bewegten Bildern, Musik, Sprache, Farbe, evtl. in 3D einmal existiert hat.

In Deutschland zählen ausländische Filme, selbst wenn sie den Kinozuschauern (nur) in deutscher Fassung vertraut sind, für das Bundesarchiv nicht zum nationalen Erbe. Dabei kann jeder Filmliebhaber Sprüche wie „Ich schau Dir in die Augen, Kleines“ und „Mach's noch einmal, Sam“ (Casablanca) oder „Achtung Mund! Achtung Mund! Bitte in ihr Ohr blasen“ (Was die schon immer über Sex wissen wollten) auswendig zitieren.

Doch finden sich viele deutsche Filmarchive, die sich auch um die Rezeption eines Werks kümmern und die deshalb diese immaterielle Seite des Filmerbes – d.h. die Erinnerung der Zuschauer (kollektives Gedächtnis) – als Grund nehmen, auch ausländische Filme zum deutschen Filmerbe zu zählen. Frankreich hat sich schon länger darauf besonnen. Die Regierung erweiterte die seit 1977 bestehenden Bestimmungen des dépôt légal, d.i. die Verpflichtung, von jedem auf dem Staatsgebiet geschaffenen Film eine Kopie beim Nationalfilmarchiv zu hinterlegen, im Jahr 1993 auch auf in Frankreich im Kino herausgebrachte Filme.

Literatur: Zum Dépôt légal siehe die Website des Centre national du cinéma et de l’image animée, URL: http://www.cnc.fr/web/fr/depot-legal.

Zur Ablehnung einer allgemeinen Abgabeverpflichtung für Film in Deutschland im Jahr 2012 siehe http://dipbt.bundestag.de/extrakt/ba/WP17/481/48149.html. – Zur Pflichtregistrierung der Filmdaten siehe URL: http://www.pflichtregistrierung-film.bundesarchiv.de/index.htm.

Zum Text des Koalitionsvertrags siehe URL: http://www.bundestag.de/blob/194886/696f36f795961df200fb27fb6803d83e/koalitionsvertrag-data.pdf.

Referenzen