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Filmexil

Die Bezeichnung Filmexil bezieht sich auf die Zwangsemigration von ca. 2.000 Filmschaffenden der deutschen Filmwirtschaft in den Jahren nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten. Das Filmexil beginnt am 28.3.1933, als Joseph Goebbels im Berliner Kaiserhof eine Rede vor der DACHO hält, in der er einen neuen antisemitischen Kurs ankündigt. Ein Tag später beschließt der Vorstand der UFA, sämtliche Mitarbeiter jüdischen Glaubens oder Abstammung zu entlassen. Aus kaum einer Berufssparte des deutschen Lebens mussten so viele Mitglieder der ersten und zweiten Garde ins Exil gehen. Zu den bekanntesten gehören Fritz Lang, Richard Oswald, Robert Wiene, Joe May, Billy Wilder, Henry Koster, Erich Pommer, Seymour Nebenzahl, Gregor Rabinowitsch, Carl Mayer, Walter Reisch, die Siodmak-Brüder, Karl Freund, Eugen Schüfftan, Rudi Fehr, Conrad Veidt, Fritz Kortner, Peter Lorre, Elisabeth Bergner und Hedy Lamarr.
Zunächst versuchen einige Filmschaffende, in Österreich Fuß zu fassen, doch erweisen sich dort gedrehte Filme ohne den Reichsmarkt als unrentabel. Zudem unterstützen ab dem 20.4.1936 die österreichischen Filmproduzenten den deutschen Boykott gegen jüdische Mitarbeiter. Noch im selben Jahr folgt eine ähnliche Gesetzgebung im faschistischen Ungarn. In Holland kommt es dank des Einflusses deutscher Exilanten zu einer erstaunlichen kurzen Blütezeit, die durch den Einmarsch der Wehrmacht beendet wurde. In Frankreich und England können viele Exilanten legal oder illegal im Film unterkommen. Doch nur Hollywood bietet langfristige Arbeitsmöglichkeiten, die allerdings einen extremen Konkurrenzkampf mit sich bringen. Eine Remigration findet nach dem Weltkrieg faktisch nicht statt, da die Exilanten in der von Mitläufern besetzten deutschen Filmwirtschaft unerwünscht sind. 

Literatur: Jan-Christopher Horak: Fluchtpunkt Hollywood. Eine Dokumentation zur Filmemigration nach 1933. Münster: MakS Publikationen 1986.