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Film-Lampo

dt. etwa: Blitzlicht-Film; engl. manchmal: lightning film, blitz-film

Von Cesare Zavattini programmatisch eingeführte Bezeichnung eines gewissen Typus realistischer Filme, in denen soziale Kleinst-Ereignisse aus der Zeitungschronik in ihrer Einbettung in die entsprechende Erfahrungswelt dargestellt werden sollen. Ausgangspunkt sollte immer eine konkrete Nachricht, ein Ereignis, ein Vorfall sein, den der Film in seine sozialen und politischen Kontexte hinein rekonstruierte und kontextualisierte. Kleinste Ereignisse wie der Kauf eines Paars Schuhe könnten in dieser Form die so fragmentiert erscheinende Realität wieder zusammenfügen, Widersprüche verdeutlichen und Aufklärung und sozialer Veränderung beitragen. Derartige „Reportage-Filme“ markieren eine Grenzform, die bereits auf die Dramatisierungsformen des Fernsehens verweist und zugleich Formate des Boulevard-Journalismus nutzt. Zavattinis Anliegen, mit film-fampo, filmviaggio (= Reisefilm, Filmreise) und film delle confessioni (= Geständnis- und Bekenntnisfilm) neue Gattungen eines Kinos zu benennen, fand ebenso wenig nennenswerte Rezeption wie seine Idee, mit der Gattung der cine-giornali (= Journalfilme) ein neues dokumentarisch-politisches Kino der Nachkriegszeit zu beschreiben.

Literatur: Haaland, Torunn: Italian neorealist cinema. Edinburgh: Edinburgh University Press 2012. – Moneti, Guglielmo: Neorealismo fra tradizione e rivoluzione. Visconti, De Sica e Zavattini verso nuove esperienze cinematografiche della realtà. Siena: Nuova Immagine Ed. 1999. – Zavattini, Cesare: Cesare Zavattini cinema. Diario cinematografico; Neorealismo ecc. A cura di Valentino Fortichiari e Mino Argentieri. Milano: Bompiani 2002, S. 86-88 („Che cos‘e il filmo lampo“), 89-91 („Film-lampo: Sviluppo del neorealismo“).