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Filmprüfstelle

Filmprüfstelle hieß in der Weimarer Republik und im nationalsozialistischen Deutschland die Zensurbehörde, die darüber entschied, ob fertiggestellte Filme zur öffentlichen Vorführung zugelassen wurden. Sie wurde begründet mit dem Lichtspielgesetz vom 12.5.1920; in Berlin und München wurden zwei Prüfstellen mit regionaler Zuständigkeit eingerichtet; eine Oberprüfstelle hatte ihren Sitz in Berlin. Jede Prüfstelle hatte einen beamteten, vom Innenminister ernannten Vorsitzenden sowie vier stimmberechtigten Beisitzern, die aus den Bereichen Film, Kunst, Literatur, Volks‑ und Jugendwohlfahrt und Volksbildung besetzt wurden; der Oberprüfstelle saßen Carl Bulcke und ab 1924 Ernst Seeger vor, der spätere Leiter der Abteilung Film im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda. Gegenstand der gebührenpflichtigen Prüfung waren der Film, sein Titel und das dazugehörige Werbematerial – deutscher und ausländischer Herkunft, sofern eine öffentliche Vorführung im Reich beabsichtigt war. Verbotsgründe waren die Gefährdung lebenswichtiger Interessen des Staates, der öffentlichen Ordnung oder Sicherheit.
Das Lichtspielgesetz vom 16.2.1934 ergab sich für die Filmprüfung grundlegende Änderungen: Die Trennung zwischen polizeilichen und ästhetischen Gesichtspunkten der Zensur wurde aufgehoben. Die Verantwortung für Filmzensur und Filmprädikatisierung lag ab 1934 allein bei der Filmprüfstelle Berlin, die dem Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda unterstellt wurde. Die Beisitzer hatten nur noch beratende Funktion. Als Verbotsgründe kamen politische und ideologische Missliebigkeiten hinzu. Durch die im Gesetz geforderte Position des Reichsfilmdramaturgen, dem die neu formulierte Aufgabe der „Vorprüfung“ aller Filme zufiel und der erst die Produktion von Filmen freigeben konnte, wurde die Prüfstelle zum lediglichen Entscheidungsempfänger; konsequenterweise wurde die Oberprüfstelle 1938 aufgelöst.

Literatur: Keitz, Ursula von: Filme vor Gericht. Theorie und Praxis der Filmprüfung in Deutschland 1920 bis 1938. Frankfurt: Deutsches Institut für Filmkunde 1999, URL: http://www.difarchiv.deutsches‑filminstitut.de/dt2jz02.htm. – Binz, Gerrit: Filmzensur in der deutschen Demokratie. Sachlicher Wandel durch institutionelle Verlagerung von der staatlichen Weimarer Filmprüfung auf die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft in der Bundesrepublik?  Trier: Kliomedia 2006. – Maiwald, Klaus‑Juergen: Filmzensur im NS‑Staat. Dortmund: Nowotny 1983.