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flashbulb memories

auch: FB memory; dt. auch: Blitzlicht-Erinnerungen

Der Terminus wurde 1977 von den Harvard-Psychologen Roger Brown und James Kulik für einen Typ des emotionalen Gedächtnisses für ungewöhnliche Ereignisse geprägt. Diese müssen allgemeine – nicht bloß vereinzelte – Aufmerksamkeit auf sich ziehen und daher weitgehend medial verbreitet worden sein. Ihr hoher Überraschungseffekt wirkt dann schockierend und in einzelnen Fällen traumatisierend und führt in Konsequenz zu starken Emotionen (‚Mitgenommenheit‘). Die Vorgänge werden mit schlaglichtartiger Klarheit – nicht aber notwendigerweise korrekt – erinnert und rufen bei Nachfrage lebenslang lebhaft ausgestaltete Geschichten über die eigenen, oft sehr idiosynkratischen, zufälligen und nebensächlichen Umstände hervor, in denen sich die erinnernde Person beim Eintritt der Ereignisse befand. Kanonische Inhalte sind dabei Ort (wo hielt ich mich auf?), Begleitaktivitäten (was tat ich gerade?), Informant (woher habe ich es erfahren?), eigene Gefühle, Emotionen anderer und empfundene Nachwirkungen. Als Standard-Beispiele werden in der Literatur u.a. diskutiert: der Untergang der Titanic, die Ermordung Präsident Kennedys, die Challenger-Katastrophe, der Fall der Berliner Mauer, der Anschlag vom 11.9.2001, das Unglück des Space Shuttles Columbia. Ereignisse, die flashbulb memories generierten, eignen sich zu immer neuen filmischen Adaptionen.
Den flashbulb memories auf den ersten Blick nachgebildet sind filmische Stilmittel wie nur äußerst kurz exponierte subjektive Traum- oder Gedächtnisbilder (Flash-Montagen). Erinnerungs-Visionen wie die des Frank Black in der TV-Serie Millenium (USA 1996) erfüllen aber so gut wie keines der genannten Kriterien, sind allenfalls charakterindizierend; es fehlt ihnen die überindividuelle Gewißheit ihres Gegenstandes. Ähnlich ist das Trauma in Mike Nichols‘ Catch 22 (1970) als ein zunächst nur blitzartig aufleuchtendes subjektives Erinnerungsbild eingesetzt, das sich wie in einem Prozeß der Analyse im Lauf der Geschichte immer mehr vervollständigt. 

Literatur: Brown, Roger / Kulik, James: Flashbulb memories. In: Cognition 5, 1977, S. 73-99. – Conway, Martin A.: Flashbulb memories. Hove, UK / Hillsdale, NJ: Erlbaum 1995 (Essays in Cognitive Psychology.). – Winograd, Eugene / Neisser, Ulric (eds.): Affect and accuracy in recall: studies of "flashbulb" memories. Cambridge / New York: Cambridge University Press 1992 (Emory Symposia in Cognition, 4.). – Gordon, Barry (et al.): Understanding the mysteries of memory. Princeton, NJ: Films for the Humanities & Sciences 1999 [Video].