Metainformationen zur Seite
  •  

Fokalisierung

Fokalisierung ist ein von Gérard Genette im Jahr 1972 geprägter narratologischer Begriff, der das Verhältnis zwischen dem Wissen einer Erzählinstanz und dem einer Figur beschreibt und die zuvor gängigen Begriffe der Perspektive und des point de vue ("qui voit?"/mode) durch den Fokus auf die Informationsvermittlung durch den Erzähler ("qui parle"?/voix) ersetzt. Die dennoch weiterbestehende Vermischung zwischen Modus und Stimme führte dann zu den ergänzenden Kategorien der Okularisierung (visuelle Wahrnehmung) und der Aurikularisierung (auditive Wahrnehmung), die F. Jost eingeführt hat. S. Schlickers hat eine Typologie des Zusammenspiels der focalisation mit der ocularisation und auricularisation in Literatur und Film entwickelt; M. Kuhn hat darauf aufbauend weitere geringfügige Modifizierungen für den Film vorgenommen.

Gentte unterscheidet drei Typen der Fokalisierung bzw. der narrativen Informationsvergabe, die nachfolgend für den Film angeführt werden.

(1) Bei der Nullfokalisierung vermittelt die audiovisuelle narrative Instanz (kurz Kamera) mehr als die Figur weiß, sodass der Zuschauer über mehr Wissen als die Figur(en) verfügt.

(2) Bei der internen Fokalisierung wird die Perspektive einer Figur vermittelt. Extremformen der internen Fokalisierung sind der innere Monolog und der mindscreen. Die multiple interne Fokalisierung nähert sich der Nullfokalisierung an.

(3) Bei der externen Fokalisierung hat die Erzählinstanz keinen Zugang zum Innenleben der Figur, sie vermittelt nur äußerlich Wahrnehmbares. 


Literatur: Gérard Genette: Die Erzählung. München: Fink 1998. – Jost, François: L' œil‑caméra. Entre film et roman. Lyon: Presse universitaire de Lyon, 19892erw.. –Schlickers, Sabine: Verfilmtes Erzählen..., Frankfurt: Vervuert 1997, Kap. 2.2.7. – Kuhn, Markus: Filmnarratologie. Ein erzähltheoretisches Analysemodell. Berlin [...]: de Gruyter 2011, Kap. 4.

Referenzen