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Frankenstein

Mit dem 1816 veröffentlichten Roman Frankenstein, or The Modern Prometheus (dessen Entstehungsgeschichte Ken Russell in seinem Film Gothic von 1986 schildert) schuf Mary Wollstonecraft Shelley den modernen Archetypus eines Wissenschaftlers, dessen krankhafter Ehrgeiz in Tod und Verderben endet. Erste Verfilmungen von 1910, 1915 und 1920 sind nur fragmentarisch erhalten oder verschollen. 1931 begann mit James Whales Frankenstein – The Man Who Made the Monster eine Reihe von acht Universal-Frankensteinfilmen, in denen anfangs Boris Karloff das Monster spielte. Im Laufe der Serie wurde das Frankenstein- mit anderen Horror-Motiven kombiniert (Frankenstein Meets the Wolf Man, 1943); am Ende stand die Selbstparodie Abbott and Costello Meet Frankenstein (1948).
1957 startete das britische Hammer-Studio mit Terence Fishers The Curse of Frankenstein eine siebenteilige Serie, in der weniger das Monster als sein Schöpfer, dargestellt zumeist von Peter Cushing, im Mittelpunkt stand. Auch hier wurden die Motivkombinationen im Laufe der Zeit immer beliebiger, genauso wie in den japanischen Godzilla-Filmen, in denen ab Mitte der 1960er-Jahre der Name „Frankenstein“ nur noch als Synonym für verschiedene Monstergestalten diente. Ob im Horror- (Frankenhooker, 1990), Science Fiction (Frankenstein Unbound, 1990) oder Western-Film (Jesse James Meets Frankenstein's Daughter, 1965): Das Frankenstein-Motiv löst sich im Laufe der Zeit aus dem historischen Kontext und wird zum frei verfügbaren Versatzstück. Nur noch wenige Filme sind der literarischen Quelle verpflichtet (Frankenstein: The True Story, 1973; Mary Shelley's Frankenstein, 1994). Daneben entwickelte sich in Film (Rocky Horror Picture Show, 1974) und Fernsehen (The Munsters, 1964-66) ein eigenes Subgenre von Frankenstein-Parodien.
Eine ungewöhnliche Variante des Stoffes zeigt Victor Erices El espiritu de la colmena (1973), in der ein Mädchen die Schrecken des spanischen Bürgerkriegs mit Hilfe von Filmbildern aus James Whales Klassiker verarbeitet.