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Frauenfilm

engl.: woman‘s film

Ein Frauenfilm im engeren Sinne ist ein Film, der seine Themen aus weiblichem Blickpunkt behandelt. Der Frauenfilm wurde seit der Mitte der 1970er von Regisseurinnen wie Margarethe von Trotta geprägt und beinhaltet oft eine emanzipatorische Zielsetzung. Er wendet sich vorwiegend an ein weibliches Publikum. Im weiteren Sinne werden auch Filme, die aus kommerziellen Erwägungen heraus speziell für weibliche Zuschauer konzipiert und oft als kitschig empfunden werden, als Frauenfilme bezeichnet (women‘s movies; manchmal auch irreführenderweise: chick flicks). Bis in die 1960er hinein war das Frauenbild im Film oft durch männlich geprägte Rollenklischees bestimmt – die Figuren bedienten eindimensionale Erwartungshaltungen etwa in der Mutterrolle oder als femme fatale. Filme, in denen Frauen im Mittelpunkt standen, waren hauptsächlich Melodramen, die von weiblicher Opferbereitschaft und Verzicht bestimmt waren.
Im Zuge der zweiten Frauenbewegung versuchten die Filmemacherinnen des Frauenfilms diese Eindimensionalität zu durchbrechen und identitätsstiftend weibliches Selbstbewusstsein in den Vordergrund zu stellen. Sie behandelten dabei oft frauenspezifische Themen, etwa familiäre Gewalt oder Abtreibung, aber auch universellere Themenbereiche wie Krieg, Politik oder Berufsleben aus spezifisch weiblicher Perspektive. Um den Frauenfilm bildete sich ein kulturelles Umfeld mit feministisch geprägten Filmzeitschriften und eigenen Filmfestivals. Als Startpunkt für den Frauenfilm in diesem engeren Sinne wird Margarethe von Trottas Mitarbeit an Volker Schlöndorffs Die verlorene Ehre der Katharina Blum (1975, nach Heinrich Bölls gleichnamiger Erzählung) angesehen, in dem eine junge Frau durch Boulevardpresse und Staatsgewalt vernichtet wird. Es folgten unter von Trottas Regie 1978 Das zweite Erwachen der Christina Klages, in dem eine Kindergärtnerin zur Bankräuberin wird, um ihren Kinderladen zu retten, und 1979 Schwestern oder die Balance des Glücks über einen Schwesternkonflikt, der im Mord endet. Andere Namen, die dem vor allem in Deutschland sich ausprägenden Frauenfilm zugerechnet werden, sind Ulla Stöckl (etwa mit Eine Frau mit Verantwortung, 1978), Helma Sanders‑Brahms (mit Filmen wie Unterm Pflaster ist der Strand, 1975, oder Deutschland, bleiche Mutter, 1980), Helke Sander (Der Beginn aller Schrecken ist Liebe, 1980), Jutta Brückner (Hungerjahre, 1979), Monika Treut (Die Jungfrauenmaschine, 1988).
Heute ist die Filmarbeit von Frauen, die in der allgemeinen Filmgeschichte bis in die Spätphase des 20. Jahrhunderts nur eine marginale Rolle gespielt hatte, eine weltweite Praxis des Filmemachens.

Literatur: Lukasz‑Aden, Gudrun / Strobel, Christel: Der Frauenfilm. Filme von und für Frauen. München: Heyne 1985. – Knight, Julia: Frauen und der Neue Deutsche Film. Marburg: Hitzeroth 1995. Zuerst engl. – Fischetti, Renate: Das neue Kino. Acht Portraits von deutschen Regisseurinnen. Dülmen‑Hiddingsel: Tende 1992. – Todd, Janet (ed.): Women and film. New York [...]: Holmes & Meier 1988. – Karriker, Alexandra Heidi(ed.): Film studies. Women in contemporary world cinema. New York [...]: Lang 2002.

Referenzen