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Gassenhauerfilme

Der „Gassenhauer“ war ursprünglich eine Bezeichnung für nächtliche Bummler; im 16. Jahrhundert wurde sie auf die von ihnen gesungenen Lieder übertragen. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Wort zunehmend pejorativ angewendet – als abfällige Bezeichnung populärer Lieder (Schlager), die oft Persiflagen bekannter Opernarien waren.
Im Jahre 1930/31 drehte Lupu Pick Gassenhauer mit Ina Albrecht, Ernst Busch und den Stimmen der Comedian Harmonists, in dem vier Hinterhofsänger es zum Erfolg im Kabarett bringen. Kraucauer nahm diesen Film als Kern einer ganz eigenen Gattung. Er nahm an, dass die Gassenhauerfilme unmittelbar an die arbeitslosen Massen der späten Weimarer Republik adressiert seien, für die sie eine Alibifunktion erfüllten, indem sie den Arbeitslosen imaginäre Hoffnung machten, jeder könne sich durch selbständige Arbeit über Wasser halten – und sei es als Gassenhauer. Im selben Atemzug nennt Kraucauer Kuhle Wampe, der eine ähnliche Botschaft mit der Gründung der Arbeiterkolonien verbreite. Weitere Gassenhauerfilme, die meistens im proletarischem oder kleinbürgerlichem Milieu spielen, waren Gesangsverein Sorgenfrei (1931), Die drei von der Stempelstelle (1932) und Ein blonder Traum (1932). In den 1950er Jahren mutierten die Gassenhauerfilme zum Schlagerfilm, aus den Proleten waren standhafte Bundesbürger der Mittelschicht geworden. 

Literatur Kraucauer, Siegfried: Von Caligari zu Hitler. Eine psychologische Geschichte des deutschen Films. Übers. v. Ruth Baumgarten u. Karsten Witte. Frankfurt: Suhrkamp 1979; 2. Aufl. 1993.