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Gaumont

Im Jahre 1895 gründete Léon Gaumont die Société Léon Gaumont & Compagnie, um photographische Apparate herzustellen und zu verkaufen. Ein Jahr später präsentierte Gaumont den „Chrono“ Demeny, den ersten Filmprojektor der Firma. Um den Bedarf an Apparaten anzukurbeln, erlaubte Gaumont 1897 seiner Sekretärin Alice Guy, Filme für die Firma zu produzieren. Als die Lumière-Brüder 1900 aus dem Filmgeschäft ausstiegen, konnte Gaumont und Pathé die Marktlücke füllen. Die finanzielle Stärke der Firma führte 1906 zur Gründung der Société des Etablissements Gaumont (SEG) mit einem Kapital von 2,6 Millionen Francs. Kurz darauf stieg die Firma ins neue Kino- und Verleihgeschäft ein. Unter den wichtigsten Regisseuren der Firma befanden sich neben Alice Guy Emil Cohl, Louis Feuillade, Léonce Perret und Jean Durand. 1910 wurde die Wochenschau Gaumont Actualités eingeführt. Aber es waren die ab 1912 produzierten Fortsetzungsfilme von Feuillade (Fantômas, 1912; Les Vampires, 1915), die die Kinokassen auch im Ersten Weltkrieg füllten. Nach dem Krieg geriet die Firma zunehmend in Schwierigkeiten, so dass sie im Jahre 1925 die Filmproduktion völlig einstellte und nur noch als Verleiher und Kinoparkbetreiber fungierte. 1932 verlor Léon Gaumont die Kontrolle über seine Firma. Im Jahre 1930 wurde Gaumont mit Aubert Franco Film fusioniert und die neue GFFA (Gaumont Franco Film Aubert) produzierte einige wenige Tonfilme, wie La Tragédie de la Mine (G.W. Pabst, 1931) und L’Atalante (1934, Jean Vigo). Im September 1935 meldete die Firma den Konkurs an.
Erst nach der Besetzung Frankreichs durch die Wehrmacht und mit Hilfe des Propagandaministeriums konnte Gaumont ab 1942 wieder in die Produktion einsteigen, es kam zur Neugründung der Firma, die die Besetzungszeit überdauerte – die Société Nouvelles des Etablissements Gaumont konnte auch nach der Befreiung ungehindert weiterarbeiten. Im Jahre 1947 wurde Jacques Beckers Antoine et Antoinette ein grosser finanzieller Erfolg, doch die Zahl der Gaumont-Filmproduktionen hielt sich in Grenzen. Der erste französischer Technicolor-Film, Un Caprice de Caroline Chérie (1953) mit der nackten Martine Carol, wurde ebenfalls ein Erfolg. Solche kommerziellen Filme der alten Garde, nicht die Werke der Nouvelle Vague, blieben beherrschten Gaumonts Produktionsplan bis in die 1970er Jahre hinein.
Im Jahre 1975 wurde Nicolas Seydoux Vorsitzender des Vorstandes und Produktionsleiter der Firma. Er leitete eine neue Produktionspolitik eint, die auf Autoren wie Joseph Losey (Don Giovanni, 1979), Andrej Wajda (Danton, 1982), Ingmar Bergman (Fanny und Alexander, 1983), Jean-Jacques Beineix (Betty Blue, 1986) und Luc Besson (Le Grand Blue, 1988) setzte. Auch der Kinopark wurde modernisiert (Multiplexe). Anfang der 1990er Jahre drehte Claude Berri Remakes von zwei Marcel-Pagnol-Filmen (Jean de Florette und Manon von der Quelle). Im Jahre 2001 wurden die Gaumont-Kinos mit den Pathé-Kinos fusioniert, wobei Gaumont einen 34%-Anteil der neuen Kette behielt. Im Oktober 2002 kaufte Gaumont La Société Télédis mit ihrer von 1930-1981 entstandenen Filmbibliothek von über 400 Spiel- und TV-Filmen. 

Literatur: Garçon, François: Gaumont. A Century of French Cinema. New York: Harry N. Abrams 1994. Zugl. frz. 1994. Bildband. – Hugues, Philippe / Muller, Dominique: Gaumont, 90 ans de cinéma. Paris: Éditions Ramsay 1986. – La Maison Gaumont a cent ans. = Themenheft der: Les Cahiers de la Cinémathèque, 63/64, 1995. – http://www.gaumont.fr.
 

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